Heute gibt’s Weihnachten bei Niko. Also nicht wirklich, eigentlich erst an Weihnachten. Aber zumindest erzähl ich dir, wie das bei mir zu Hause so abläuft. Im Wesentlichen gibt es folgende Reihenfolge an Weihnachten: Essen, Geschenke, Essen, Essen usw. Und zwar durchgängig. Das Besondere seit Neuestem jedoch ist, dass ich seit 2020 mit der schönsten Frau der Welt verheiratet bin und wir nun die glücklichsten Eltern des süßesten, lautesten und hüpfendsten kleinen Jungen sind, den es auf der Welt gibt. Und weil ich jetzt meine eigene kleine Familie habe, plötzlich in Berlin wohne und einen neuen Job habe, gibt es neue Traditionen. Also erzähle ich, was wir als kleine Familie in Zukunft so vorhaben und wie es dann weitergeht, wenn sich meine Familie in Marburg trifft. Und wir uns auf die weihnachtlichen Irrfahrten zwischen Berlin und Hessen begeben. Nicht ganz so wie Odysseus hoffentlich, aber das wird sich erst zeigen.

Neue und alte Traditionen zwischen Umzug und neuem Leben

Das erste Jahr als Eltern verbrachten wir noch in Marburg. Heiligabend waren wir zu Hause mit unserem gerade Mal einen Monat alten Sohn. Als Eltern noch mittelschwer überfordert und in der Findungsphase, machten wir es uns gemütlich, hatten einen Weihnachtsbaum und überall Deko. Ja… meine Frau und ich sind Weihnachtsmenschen. Und da hatten wir auf einmal unseren kleinen Weihnachtstroll. Das hat alles verändert. Zu essen gab es Ramen, unser neues Heiligabend-Traditionsessen und eines meiner liebsten Gerichte – sowohl zum Essen als auch zum Kochen. Wir machten Bescherung und hatten einen wirklich schönen, entspannten Abend zu dritt. Den Kleinen brachten wir irgendwann auch dazu, zumindest kurz zu schlafen, und wir schauten einen Weihnachtsfilm. Kerzen brannten und Wolldecken wärmten uns. Schön war es. Aber auch eine einmalige Sache. Denn da wussten wir noch nicht, dass wir 2021 nicht mehr in unserem Zuhause sein würden.

Klassisch bei den Dziehels – Weihnachten, Essen, Geschenke

Die ersten (nuschel-nuschel/undeutliches Gerede/ich bin so alt) Jahre meines Lebens startete Weihnachten bei meiner Familie. Heiligabend kam ich mit oder ohne Partnerinnen (dieses Thema wird in sehr vielen Weihnachtsfilmen verhandelt, deswegen spare ich es gerne aus) nachmittags, meisten zwischen 14 und 16 Uhr, bei meinen Eltern an. Ich hatte zu diesem Zweck immer meinen Rotkohl vorbereitet. Ein Topf für 30 Milliarden Menschen, doch dazu später mehr. Die ganze Straße war hell erleuchtet und überall blinkte und glitzerte es um die Wette. In meinem Viertel wird amerikanisch geschmückt. Also gibt es keine Grenzen. Die Hauswände, Fensterscheiben und Vorgärten sind so unglaublich voller Weihnachtsdeko, dass das ungeübte Auge vermutlich völlig überfordert ist. Meine Frau war zumindest abwechselnd beeindruck und geschockt. Meine Eltern bilden da keine Ausnahme. Voller Stolz schickt mein Vater schon Anfang Dezember die ersten Fotos der diesjährigen Deko, inklusive Lichterkette auf dem Rasen unseres Vorgartens. Stilvoll, nicht zu bunt. Wenn es schneit, ist es einfach schön. Andere Meinungen akzeptiere ich nicht. Er dekoriert übrigens natürlich allein mit Leiter und Kabeltrommel. Ehrensache.

Endlich 17 Uhr: Ab jetzt wird nur noch gefuttert!

Wenn endlich alle am Tisch sitzen mit vollen Gläsern, geht es los. Mein Vater, meine Mutter und ich bauen das Buffet auf. Teller und Besteck stehen am Beginn der Straße. Dann kommen die Beilagen. Immer gibt es Kroketten, diese TK-Teile, gab’s schon immer. Dazu natürlich Serviettenknödel und Spätzle aus der Pfanne.

Danach kommt das Gemüse. Rosenkohlkaramell. Rotkohl. Gemüsegratin. Weil jedes Detail perfekt aufeinander abgestimmt ist, darf keines davon fehlen. Und selbst gemachte Schmorzwiebeln.

Dann folgen die Hauptgänge: An Heiligabend macht mein Vater seinen legendären Lendentopf und unzählige kleine, knusprige Schnitzelchen (vielleicht darf ich dieses Jahr die Hälfte als Tonkatsu beisteuern… wir verhandeln das noch). Da der Ofen dann schon an ist, kommen gelegentlich feine Drumsticks oder Hähnchenschenkel dazu. Und für meinen Vater als Extrawurst: Würstchen. Dazu passend macht er einen Kartoffelsalat, nur für sich, wie er selber sagt. Apropos Salate: Feldsalat und Gurkensalat. That’s it. Reicht ja auch, oder?

Desserts spielen eine eher untergeordnete Rolle. Ich mache jedes Jahr einen Brownie mit etwas Lebkuchengewürz als extra Gimmick. Meine Frau macht ein abgefahrenes Windbeuteldessert mit Kondensmilch und so… Meine Mama eine Art Creme auf Beerenbasis. Aber wie gesagt. Neues Leben. Neue Tradition.

Das war es mit dem Essen. Der gesamte Vorgang beginnt aber schon am Vortag. Da mache ich den Rotkohl und die Knödel. Mein Vater bereitet alles vor und beginnt ab morgens mit dem Kochen. Auch die Desserts macht man am Vortag. Das spart Zeit und man kommt in den richtigen Weihnachtsgroove, Weihnachtsmucke unterstützt dabei natürlich. Und wenn dann alle fürs Erste satt sind, gibt’s mehr Wein und dann endlich Geschenke! Das Personal ist eigentlich auch immer das gleiche: Meine Eltern, ich, mein Cousin mit seiner langjährige Freundin (deswegen meine verschwägerte Cousine) und meine Onkel aus Berlin, die ihre Familientour bei uns starten. Vor der Pandemie ging es für mich angetrunken ab circa Mitternacht noch in unsere Stammbars, um mich mit allen Gefährt:innen zu treffen, die es in alle Himmelsrichtungen verschlagen hat. Wie, wann und warum ich dann am nächsten Morgen wieder am Tisch saß, spielte keine Rolle. Wie gesagt: neues Leben. Neue Tradition. Jetzt bin ich glücklich, am ersten Weihnachtsfeiertag bei Lenas Familie zu sein. Und Gans zu essen. Aber für dieses Menü brauch ich noch mehr Platz. Kleiner Hinweis: Weihnachten, Essen, Geschenke. Zum Glück gibt’s im Januar detox…

Peace