Zu den Feiertagen möchten die meisten doch das Gleiche: Mit den Liebsten Zeit verbringen, gut essen und gut trinken. Mir geht es genauso, ich möchte Weihnachten einfach nur genießen. Weihnachten verbringe ich seit Jahrzehnten entweder mit den Familien meiner Schwestern oder mit Freund:innen. Ich liebe diese stade Zeit: Wir sitzen gemütlich zusammen, plaudern über das letzte und kommende Jahr und vermeiden unnötige Arbeit oder Stress. Wobei das Zubereiten von guten Lebensmitteln für mich keine Arbeit ist, sondern ein Genuss.

Weihnachten – ab ins Elsass

Ein besonders schönes Weihnachten hatte ich vor einigen Jahren mit Freunden im Osten Frankreichs. Der Freund eines Freundes hat ein Häuschen im ländlichen Elsass. So ein uriges Haus, in dem es an jeder Ecke knirscht und knarzt, mit Bollerofen, einem großen Garten und geräumigen Kühlschrank. Er war verreist und wir mieteten das Refugium mit Handkuss. Wie schon so oft wollten wir gemeinsam Weihnachten einfach genießen.

Weihnachten einfach genießen: Was essen wir?

Einen Monat vorher begannen wir lose, uns über die Speisefolge, zumindest vom 24. bis zum 26. Dezember, auszutauschen: Gibt es zum Hauptgang Fisch oder Fleisch? Wer wünscht welche Vorspeise, und was hat Saison? Immer unter dem Motto: Weihnachten einfach genießen. Nimmst du die Nudelmaschine mit und ich dafür die Gewürze? Gibt es gute Händler im Umland, haben die Museen auf, finden Wochenmärkte statt und in welchen Restaurants gehen wir essen? The same procedure as every year!

Rezepte wurden gesichtet, Listen hin- und her gemailt, Ideen verworfen und heimlich Verbündete für die eigenen Vorschläge gesucht. Alles im gemächlichen Tempo.
Wir mussten auch klären, welche Weine uns begleiten. Das war einfach: Wir fahren ins Elsass – und das Elsass liegt in Frankreich. Noch Fragen? Zudem waren bereits ein oder zwei Verkostungen bei Winzern vor Ort vereinbart.

Die genussvolle Vorbereitung

Die Tage dort waren herrlich entspannt: Es wurde geschnibbelt, gekocht, bardiert, bridiert, reduziert, gedämpft, blanchiert und vor allem probiert. Und ich habe mindestens acht unterschiedliche Mise en Place gebunden. Einige Gerichte wurden verworfen, andere kamen hinzu. Dabei hörten wir Musik, meine Hündin lag vor dem warmen Holzofen, und wenn die Luft zu trocken war, gab es ein Gläschen Wein. Unser Plan, Weihnachten einfach nur zu genießen, klappte bisher hervorragend.

Zwischendurch fand sich immer mal ein Grund, in einen französischen Supermarkt zu fahren, um die unglaubliche Auswahl an Käse, Weinen, Fisch, Wild und anderen Spezereien zu begutachten. Auch Ausflüge in eine Pâtisserie, in der wir uns wahlweise mit Zitronen-Tartes, Cannelés sowie Madeleines eindeckten, sorgten für Glücksmomente. Wie gut, dass wir für die Rückfahrt nach Deutschland genug Platz im Auto für Weinflaschen, Senf, Pasteten, Marmeladen und gesalzene Butter aus der Normandie eingeplant hatten.

Der Heilige Abend war schon morgens heilig

Unsere Vorbereitungen am 24.12. gingen nach dem Besuch auf dem Wochenmarkt, einem opulenten Frühstück, einem Spaziergang und einem Mittagsschläfchen nahtlos in das eigentliche Weihnachtsessen über: Die Vorbereitungen sollten nicht stressig sein, denn wir wollen ja Weihnachten einfach genießen.

Die Vorspeise kam aus Peru: Wir starteten mit einer fruchtigen Fisch-Ceviche vom Schwertfisch. Diese ist frisch und liegt nicht so schwer im Magen. Anschließend wechselten wir kulinarisch nach Asien: Es gab ein chinesisches Fondue mit mehreren Brühen und Soßen. Denn „Some like it hot, some not“: Einige waren teuflisch scharf, andere milder ­­– aromatisch waren sie alle. Grundlage für die nicht vegetarischen Brühen und Fonds war eine selbstgemachte Hühnerbrühe. Uns nun hatten wir Zeit, Muße und Lust. Beim Dessert waren wir wieder in der weihnachtlichen Wahlheimat, in Frankreich. Es gab eine Créme Brulée. Hast du schon mal den leisen Knacks gehört, wenn man mit dem Löffel sachte die Kruste aufschlägt? Ahhhh, das ist kulinarisches Sound-Design. Dieser Abend war so schön: die Stimmung, die Gespräche, das Essen und die Getränke – so mag ich Weihnachten.

Am nächsten Tag, dem 25. Dezember im Jahre des Herrn, ging es mit dem „Weihnachten einfach genießen“ weiter. Serviert wurden die aromatisierten Brühen vom Vorabend, veredelt mit selbst gemachten Einlagen. Für diese musste nämlich die Nudelmaschine mit ins Elsass reisen. Darüber hinaus bereiteten wir einen traditionellen elsässischen Baeckeoffe zu: Fleisch-und Gemüsereste hatten wir ja reichlich. Und ein bisschen Reh und Rind haben wir beim Fleischer noch dazu gekauft. Klick mal auf den Link Baeckeoffe. Dort stelle ich dir das Rezept sowie die schöne Geschichte des Schmorgerichtes vor. Eine Nacht marinierte er auf der Terrasse – es war ja Winter – vor sich hin, dann kam er einige Stunden in den Ofen. Ich liebe dieses einfache, ehrliche und bodenständige Gericht sehr.

Das Jahr geht zu Neige ­– Weihnachten einfach genießen geht in die letzte Runde

In den nächsten Tagen gab es Wild, Fisch, Risottos und viel Gemüse:

Gesellschaftsspiele wurden unter dem Sofa entdeckt und ausprobiert. Jede:r machte, was er und sie wollte: Alle hatten ein Zimmer, konnten sich zurückziehen oder im Erdgeschoss auf die anderen treffen. Mal lungerte auch jede:r auf einem Sofa rum und las, während die anderen auf Feldern und Wiesen unterwegs waren. Weihnachten ist für mich eine schöne stade Zeit: entspannt, genussvoll und heiter. Weihnachten einfach genießen ist auch mein Plan für die nächsten Festtage. Denn so liebe ich Weihnachten – und dies seit Jahrzehnten.

Betsy genießt Weihnachten auch so

Mit meinen Geschwistern, deren Kindern und Enkeln verbringe ich ebenfalls gerne die Feiertage: Es wird viel gelacht, es ist chaotisch und herzergreifend schön. Und es gibt viele schöne Geschenke für die Jüngsten, die sie mit leuchtenden Augen und unter Juchzen auspacken. Ansonsten sitzen wir alle gemütlich zusammen, plaudern über die letzten und kommenden Monate, gehen viel spazieren und vermeiden unnötige Arbeit oder Stress. Nur das Essen ist nicht so aufwändig, weil wir viel mit den Kindern spielen oder malen sowie aus den neuen Büchern vorlesen. Die Kleinen interessieren sich sowieso mehr für die Nachspeise. Ein großes „Hallo“ gab es in den letzten Jahren für diese Desserts:

Die Mahlzeiten orientieren sich vor allem an den Jüngsten, aber nicht komplett. Sie sollen die Gelegenheit haben, neue Lebensmittel, Aromen und Konsistenzen zu erkunden. Müssen sie aber nicht. So verbringe ich gern Weihnachten. Ich wünsche euch allen ein Frohes Fest!