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Festkochende Kartoffelsorten – unsere 3 Lieblinge

Linda darf nicht sterben, Hörnla wäre fast ausgestorben und Sieglinde überlebt im Moor. Wir erklären, was es mit festkochenden Kartoffelsorten auf sich hat und stellen unsere drei Lieblinge vor.

Aus der Vogelperspektive: In einer Schüssel liebe ungeschälte und der Länge nach aufgeschnittene Kartoffeln. Und ein Messer. In einem Korb liegen ganze Kartoffeln, die auch nicht geschält sind.
Mehlige oder festkochende Kartoffeln? Wir erklären die Unterschiede und warum Linda nicht gestorben ist. © Getty Images / Westend61

In meiner Kindheit waren Kartoffeln allgegenwärtig: ob als Püree, Pellkartoffeln oder Bratkartoffeln. Die Knolle kam oft auf den Tisch und wurde super gern gegessen. Dafür, dass ich sie mochte, wusste ich ziemlich wenig über sie. Und schon gar nicht, dass es festkochende Kartoffelsorten sowie vorwiegend festkochende und mehligkochende Kartoffelsorten gab. Dabei sind die Unterschiede zwischen diesen Sorten ganz einfach nachzuvollziehen. Außerdem hängt von der Wahl der richtigen Kartoffelsorte auch der Erfolg in der Küche ab.

Die Unterschiede von mehligkochenden und festkochenden Kartoffelsorten

Ausschlaggebend für die Kocheigenschaften einer Kartoffel ist der Gehalt an Stärke. Der Stärkegehalt von festkochenden Knollen liegt zwischen 9 und 12 Prozent, der von vorwiegend festkochenden Kartoffeln zwischen 12 und 15 Prozent. Mehligkochende Kartoffeln besitzen ungefähr 15 bis 18 Prozent Stärke.

Festkochende Kartoffeln werden auch als Salatkartoffeln bezeichnet. Sie brechen beim Kochen nicht auf, behalten ihre Form, lassen sich prima schälen und selbst im gegarten Zustand hauchdünn schneiden. Sie haben also die besten Voraussetzungen für diese Gerichte:

Und diese drei festkochenden Kartoffelsorten sind die Stars der Redaktion. Ihre Einsatzgebiete: Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Salat, Gratins, Rösti und natürlich Pommes.

Königin aus Franken: Bamberger Hörnchen

Die festkochende Kartoffelsorte kommt aus dem schönen Franken und schmeckt fantastisch: das Bamberger Hörnla. Sie ist meine erste Wahl für einen Kartoffelsalat.

Ihr Aussehen ist eher ungewöhnlich und alles andere als unscheinbar. Ein Bamberger Hörnchen ist etwa fingerlang, leicht gekrümmt, hat tiefliegende Augen und eine leicht rosa gefärbte Schale. Der Geschmack ist intensiv würzig und leicht nussig. Da die Hörnchen nicht maschinell geerntet werden können, sind sie teurer als andere Sorten. Engagierten Landwirten und Kleinbauern ist es zu verdanken, dass das Hörnchen nicht ausgestorben ist. Die regionale Spezialität bekommt man vor Ort bei fast jedem Gemüsehändler, direkt beim Bauern und sogar an Tankstellen. In anderen Regionen kann es schwieriger sein, ihrer habhaft zu werden. Ich entdecke sie auf kleinen Wochenmärkten – selbst in Dörfern an der deutschen Küste.

Sieglinde – eine feine alte Dame

Die alte festkochende Kartoffelsorte wurde bereits 1935 in Deutschland zugelassen. Ihr Fleisch ist wunderbar gelb und schmeckt eher kräftig als zart. Manche Händler beschreiben den Geschmack auch als „speckig“, weshalb sie sich für einen kräftigen Kartoffelsalat oder als Pellkartoffel zur deftigen Beilage empfiehlt. Die Schale ist fein und lässt sich gut schälen. Während andere Knollen rund, oval oder knubbelig sind, ist die Sieglinde eher länglich und platt. Eine Spezialität ist die Moor-Sieglinde aus dem Donaumoos, einer Niederung südlich der Donau in Bayern, im Dreieck zwischen Ingolstadt, Neuburg an der Donau und Pöttmes.

Linda – die Siegreiche

Für diese festkochende Kartoffelsorte sind Knollen-Liebhaber auf die Barrikaden gegangen. Der Hintergrund: Fast alle Kartoffelsorten werden von den Züchtern lizenziert und registriert. Diese Sorten genießen in der Regel mindestens 20 Jahre Lizenz-Schutz. Läuft dieser aus, darf jeder sie vermehren. Um das zu verhindern, wollte der Lizenz-Inhaber, die Saatgutfirma Europlant, sie 2004 von der Bundessortenliste streichen lassen. Bauern und Verbraucherschützer liefen Sturm. Nach einem teilweise rabiaten, jahrelangen Schlagabtausch ließ sich Europlant auf einen außergerichtlichen Vergleich ein. Linda-Fans sind beruhigt, freuen sich über sehr gute Erträge und genießen den leicht süßlichen Geschmack der festkochenden Kartoffelsorte.

Festkochende Kartoffelsorten im schönsten Beamtendeutsch

Die Vermarktung von Speisekartoffeln in der Bundesrepublik Deutschland unterliegt der Verordnung über gesetzliche Handelsklassen für Speisekartoffeln, in der wirklich alles geregelt wird: von der Form bis hin zur Größe. Die Eigenschaften der festkochenden Kartoffelsorten werden dort im schönsten Beamtendeutsch so beschrieben: „Festkochend, sofern die Knollen nach dem Kochen fest, feinkörnig und feucht sind. Sie lassen sich sehr gut schneiden und werden gerne für die Herstellung von Kartoffelsalat genommen.“


Facts und Fun Facts

Deutlich lustiger und informativer sind diese 4 Fun Facts über der Deutschen liebste Knolle. Oder hättest du das mit den Soldaten gewusst? Auch gut zu wissen: Diese Lebensmittel vertragen kein Licht. Ob Kartoffeln dabei sind? Finde es heraus. Und natürlich auch gut im Hinterkopf zu behalten: Wie war das nochmal? Darf ich eigentlich keimende Kartoffeln noch essen?

Interessierst du dich generell für Zutaten, deren Eigenschaften sowie Tipps für die Zubereitung? Besuche doch mal unsere Kochschule. Wir verraten dir dort zum Beispiel, wie du Pommes am besten aufwärmst und wie TK-Pommes im Ofen schön knackig werden. Und im Kochlexikon widmen wir uns gängigen Techniken, wie etwa dem Bridieren. Wir verraten außerdem, wie du eine versalzene Sauce zu deinem Kartoffelgericht rettest. Finde es heraus. Viel Freude beim Stöbern und genieße die festkochenden Kartoffeln zu zwei von diesen drei Gerichten. Denn eines wird eher mit mehligkochenden Kartoffeln zubereitet. Welche wird es sein?