Tortillas, Tortilla-Chips, Nachos, Burritos, … Die sogenannte Tex-Mex-Küche hat in vielen Formen ihren Weg zu uns über den Atlantik gefunden. Mit ihrer Mischung aus amerikanischen und mexikanischen Essgewohnheiten kann sie für uns hier oft etwas verwirrend werden, wenn es zu den einzelnen Gerichten und deren Unterschiede kommt. So ist es zum Beispiel der Fall bei Nachos. Aber keine Sorge: Hier erklären wir dir, was sich hinter dem Wort versteckt und schauen uns die Herkunftsgeschichte des Namen Nachos an.

Die lange Geschichte hinter dem Namen Nachos und welche Rolle Tortillas dabei spielen

Wenn du bei Nachos an die dreieckigen Tortilla-Chips denkst, die man gerne zusammen mit Salsa, Guacamole oder Käse-Dip im Kino oder vor dem Fernseher genießt, liegst du teilweise richtig. Aber auch teilweise falsch. Nicht alle Tortilla-Chips sind nämlich automatisch Nachos, aber ein Teil der Nachos besteht immer aus Tortilla-Chips. Ja, das ist verwirrend. Um hier etwa Klarheit herein zu bringen, sollten wir vielleicht ein paar Schritte zurück gehen. Fangen wir mit den Tortillas an.

Das Wort „Tortilla“ lässt sich auf das spätlateinische Wort „Torta“ für „Kuchen“ zurückführen. Nur ist es die spanische Verkleinerungsform davon, also im Grunde ein „Küchelchen“ oder „Küchlein“ im Deutschen. Im spanischen Kontext bezeichnet das Wort einen kleinen „Kuchen“ aus Ei und Kartoffeln, der eigentlich mehr mit einem Omelette als mit einem Kuchen gemeinsam hat. Die spanische Sprache ist mit den Kolonialisten auf den amerikanischen Kontinent gekommen und hat sich dort ausgebreitet. In Mexiko gibt es das Wort „Tortilla“ auch, doch bezieht es sich auf etwas anderes: nämlich einen Fladen aus Maismehl. Diese Fladen bilden die Grundlage vieler mexikanischer Gerichte sowie Speisen der Tex-Mex-Küche, zum Beispiel den Burrito.

Die Verbindung zwischen Tortillas und Tortilla-Chips ist naheliegend: Bei letzteren handelt es sich um Chips, die aus den Mais-Fladen hergestellt werden. Tatsächlich entstanden die ersten Tortilla-Chips als Nebenprodukt der Tortilla-Produktion. Als Tortillas mehr und mehr Beliebtheit fanden, wurden sie im großen Stiel in Fabriken hergestellt. Dabei kam es zu vielen kleinen Resten aus den Fladen, die nicht verkauft werden konnten. Fabrik-Mitarbeiter nahmen diese mit nach Hause, rösteten sie und servierten sie mit unterschiedlichen Soßen. Und voilà: Die ersten Tortilla-Chips waren entstanden. Die Idee fand viel Beliebtheit, auch bei den Fabrik-Besitzern, von denen einige auf die Herstellung der Chips umstiegen. Tortilla-Chips sind also im Grunde eine sehr leckere Form der Resteverwertung, die uns noch heute erfreut.

Mehrere Pfannen mit Tortilla-Fladen neben bunten Tüchern und einem Mörser mit Gewürzen und Kräutern, vor einem dunklen Hintergrund, von oben.
Aus den mexikanischen Maisfladen werden Tortilla-Chips hergestellt, mit denen man dann Nachos machen kann. © Getty Images/ 4kodiak

Ignacio, der (fast) vergessene Vater der Nachos

So viel also zu Tortillas und Tortilla-Chips. Diese bilden jetzt ganz wörtlich genommen die Grundlage für unser eigentliches Thema: die Nachos! Deren Entstehungsgeschichte können wir sogar genau verfolgen, bis auf das Jahr und den Ort. Reisen wir also in die mexikanische Stadt Piedras Negras des Jahres 1943. Hier bringt uns unsere Suche in den Victory Club, in dem ein Mann Namens Ignacio Anaya als Kellner arbeitet. Nah an der Grenze zu Texas und dem Militärstützpunkt Fort Duncan bei der amerikanischen Stadt Eagle Pass liegend, hat der Victory Club häufig amerikanische Besucher.

So auch an einem Tag im Jahr 1943, an dem mehrere Ereignisse zusammen kamen: Erstens beschloss eine Gruppe Amerikaner – ob es sich um Soldaten des Stützpunktes oder deren Frauen, die in Eagle Pass shoppen waren, handelte, ist nicht genau überliefert – etwas Essbares in Piedras Negras zu finden. Zweitens schienen alle Restaurants bis auf den Victory Club geschlossen zu sein. Und drittens war der Koch des besagten Etablissements nicht auffindbar. So lag es an Ignacio Anaya, die Gäste mit Essen zu versorgen. Was er mit Bravour schaffte: Mit dem, was er in der Küche fand, erschuf er seine eigene Kreation.

Er briet einige Tortilla-Chips an, bedeckte sie mit Käse und in Scheiben geschnittenen Jalapeños und schob alles in den Ofen, bis der Käse geschmolzen war und die Chips cremig übergoss. Die Gäste waren, verständlicher Weise, begeistert. So begeistert, dass sie wieder kamen und nach „Nachos Especiales“ fragten. Denn so hatte Ignacio seine Kreation in der Schnelle benannt. Und zwar nach sich selbst: „Nacho“ ist nämlich der spanische Kosename von „Ignacio“. Der Name Nachos bezieht sich also einfach auf den Erfinder des Gerichts. Nachos Spezialität fand von diesem Tag an ihren Weg aus Piedras Negras in die Tex-Mex-Küche und eroberte als eines ihrer Standart-Gerichte erst die USA und dann die ganze Welt.

Die Erfolgsgeschichte der „Nachos Especiales“

Ignacio Anaya bliebt bei dieser Erfolgsgeschichte größtenteils vergessen. Jahre nach der Erfindung seiner Kreation, 1960, versuchte er gemeinsam mit seinem Sohn Ignacio Jr. die Rechte an dem Gericht zu beanspruchen. Doch es waren zu viele Jahre vergangen. Mittlerweile waren Nachos so weit verbreitet, dass sie als Eigentum der Allgemeinheit angesehen wurden. Und die profitbewusste Allgemeinheit machte sich das zu nutzen. Hersteller sahen Potential in dem Gericht, doch war es in seiner ursprünglichen Form zu aufwendig, um einen schnellen Snack daraus zu machen. So kamen sie auf die Idee, Tortilla-Chips mit einer fertigen Käse-Mischung zu umhüllen und unter dem bekannten und beliebten Namen „Nachos“ zu verkaufen. Was natürlich ein großer Erfolg war. Und so wurde das spontan zusammengewürfelte Gericht „Nachos Especiales“ einerseits fester Bestandteil der Speisekarte eines jeden Tex-Mex-Restaurants. Andererseits aber auch ein praktisch verpackter käsiger Snack, der seinen eigentlichen Ursprung vergessen ließ.

Also, kurz zusammengefasst musst du folgendes über den Namen Nachos wissen: Die ursprünglichen ersten Nachos sind eine Speise aus Tortilla-Chips, Käse und Jalapeños. Von diesem Gericht gibt es heute die verschiedensten Variationen. Neben den drei Hauptzutaten können die Toppings auch Mais, Fleisch, Avocado, Bohnen, und so weiter und so fort, sein. Zusätzlich wird der Begriff „Nachos“ dank seiner Vermarktung auch für Tortilla-Chips mit Käse-Ummantelung benutzt, aber nicht alle Tortilla-Chips sind gleichzeitig auch Nachos!

Aus Tortillas kannst du noch mehr als Tortilla-Chips und Nachos herstellen. Auf unserer Seite zu mexikanischem Essen findest du eine große Auswahl, hier bereits drei ausgewählte Rezepte:

Quellen: www.nytimes.com, www.duden.de, www.public.oed.com