Die meisten lieben ihn. Gin. In Cocktails oder klassisch mit Tonic Water zu Gin Tonic gemixt hat er einen Hype erlebt, der seinesgleichen sucht. Dieser Hype ist nicht, wie oft geschehen, komplett im Sande verlaufen, sondern hat sich zu einer Kultur weiterentwickelt, die gekommen ist, um zu bleiben. Doch was ist Gin eigentlich. Wie wird Gin gemacht? Und was sind Botanicals? Als alter Gin-Fetischist und Sammler diverser Sorten, Arten, Marken und nerdiger Tonic Water Student ist es mir ein Bedürfnis, mal wieder ungefragt Aufklärung zu leisten. Foodies, die trinken, unterscheiden sich von schnöden Alkoholikern jedoch einzig und allein durch die (oft imaginierte) Expertise bezüglich der zu sich genommen Drinks, Cocktails, Weine und Biere. Deswegen schreibe ich diesen Beitrag und du liebe*r Foodie, solltest ihn lesen. Weil siehe oben, sonst pathologische Problematik im Anmarsch.

Die fünf Schritte zum Gin

  • Die Basis jedes Gins ist der 96 % Grundalkohol, der aus Getreide, Kartoffeln und schlicht Branntwein gewonnen wird. Ob man Unterschiede heraus schmeckt, muss ich als Laie dahingestellt lassen. Experten und Produzenten sind sich uneinig, aber selbst wenn, sind es kleine Nuance, die man allenfalls in der Gesamtkomposition wahrnehmen kann.
  • Der fast reine Alkohol wird nun aromatisiert mithilfe der sogenannten Botanicals, pflanzliche Aromaträger, die dem jeweiligen Gin den Geschmack verleihen. Der Vorgang wird in Fachkreisen Mazierung genannt. Die Dauer der Mazierung ist Teil der Kunst des Brennens und Aromatisierens. Jeder Hersteller hütet seine Methode wie seinen Augapfel, denn hieran besteht die Kunst der geschmacklichen Gestaltung.
  • Nun folgt die Destillation, also das kontrollierte Verdampfen der Flüssigkeit und das Trennen von Vor-, Mittel und Nachlauf. Nur der Mittellauf wird verwendet, denn er ist der geschmacklich ausbalancierte Gin, der dich im Gegensatz zum Vorlauf nicht erblinden lässt. Im Vorlauf befinden sich die Fuselalkohole… ja, Fusel ist nicht nur ein Schimpfwort aus der Umgangssprache, sondern ein Fachbegriff. Hier liegt das Handwerk des Destillierens, die Expertise.
  • Das Herabsetzen ist der nächste Schritt. Der noch immer hochprozentige Alkohol wird durch das Verdünnen mit Wasser auf ein Maximum von 50 % und Minimum von 40 % reduziert.
  • Der letzte Schritt der Veredelung ist das Lagern wie bei den meisten Spirituosen. Auch hier gibt es riesige Unterschiede je nach Gin. Kurz gelagerter Gin zieht gerne mal nur 2-4 Wochen, aber bis zu 3-4 Monate sind ebenfalls keine Seltenheit. Die Qualität des Gins hängt nicht von der Dauer der Lagerung ab, vielmehr verändert sich das Geschmacksbild je nach Intention des Produzenten.
Diese Miniatur-Ausgabe einer Destillerie zeigt dir im Kleinen, wie das Zusammenspiel aus Alkohol, Botanical und Kunst einen harmonischen Gin entwickelt. Credit: Getty Images / Dziggyfoto

Was sind klassische Botanicals?

Die geschmackliche Vielfalt der Gins liegt in den Botanicals (Anglizismus, ich weiß… aber botanische Aromaten / Botanianer? Klingt eher unschön). Was den Gin von anderen Spirituosen maßgeblich unterscheidet, ist der typische Wacholder-Geschmack. Wenn sich ein Gin zu weit von dieser Basis bewegt, verliert er meiner Meinung nach seine Identität. Das Wacholder rein muss, sieht außerdem eine entsprechende EU-Verordnung vor. Der Trend geht ganz klar zu regionalen Botanicals. Also mediterrane Gins wie der Gin Mare nutzen Kräuter der Region wie Rosmarin zur Wacholderbeere, der Kyrö Roggen Gin aus Finnland Sanddorn und wilde Preiselbeeren. Typische Botanicals gibt es also nicht mehr wirklich, die Liste müsste ewig lang sein. Tannenzweige zählen genauso zu den Botanicals wie Thymian und Meeresalgen. Die Kunst des Gins liegt darin, ein Geschmacksbild zu konstruieren, das Sinn macht. Und Subjektivität spielt in solchen Kontexten immer eine Rolle. Dennoch stell ich dir eine Auswahl vor, die die geschmackliche Richtung des Gins und somit die Auswahl des Tonic beeinflussen.

Welche Botanicals deinen Gin ausmachen

Botanicals sind die geschmackliche Signatur des Gins. Das Mischverhältnis ist entscheidend für die Qualität.
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  • Wacholder: Obligatorisch, keine Wacholder, kein Gin!
  • Süßholz: Gibt dem Gin eine leichte süße Lakritznote.
  • Koriandersaat: Bringt erdig-würzige Komponenten mit und unterstützt Zitrusnoten.
  • Angelikawurzel: Wenn ein trocken ist, ist die Angelika meist nicht weit.
  • Iriswurzel: klassischer Emulgator und Brückenbilder zwischen den Botanicals.
  • Fenchelsaat: Leichte Anisnoten und blumige Tendenzen bringt dieses Heilgewürz.
  • Anis: selbstredender Geschmack. Charakteristisch und unverwechselbar.
  • Zimt: Die Rinde ist etwas exotisch, findet aber immer mehr Platz beim Gin.
  • Rosmarin: Mediterrane Gins nutzen ihn gerne.
  • Muskat: Zumeist in Verbindung mit anderen kräftigen Botanicals wie Zimt.
  • Zitrusschalen: Zitrusfrische von Orangen oder Zitronen ist fast unentbehrlich.
  • Kardamom: Kommt oft mit Zimt und Muskat zusammen. Erdig-exotisches Aroma.
  • Ingwer: Unterstützt frische Zitrusnoten durch seine wahrnehmbare Schärfe.
  • Beeren: Geben nicht nur Farbe, sondern geben ja nach Sorte die Richtung des Gins vor.

Welche Botanicals deinen Gin ausmachen sollen, entscheidest du natürlich selbst. Am besten probiert Gin übrigens nicht gekühlt, sondern bei Zimmertemperatur und ohne Tonic. So kommst du den Botanicals auf die Spur und entwickelst ein Gefühl dafür, welche Kombinationen sich wie auf den Geschmack auswirken. Wenn du mal wieder deine Lieblingsbar besuchst, frage den/die Barkeeper*in deines Vertrauens, ob er/sie dich mal ein paar Gins versuchen lässt. So erhältst du jede Menge Input für deine Hausbar. Wenn du dich für das Mixen eines Gin Tonics begeistern lässt, schau in Olivias Beitrag. Mit dessen Hilfe kannst du typische Missgeschicke verhindern, die beim Mixen häufig passieren. Weitere Tipps für die Küche haben wir natürlich auch am Start. Jetzt kannst du Gins testen.

Peace!