Wir kennen es, wir lieben es und international klopfen wir uns dafür nur zu gern auf die Schulter. Das Reinheitsgebot, das seit dem 20. Jahrhundert eine makellose Qualität unseres geliebten Biers garantieren soll. Hierzulande ist es wohl allen ein Begriff, doch was wirklich dahinter steckt, ist eher unbekannt. Dabei ist es doch die perfekte Geschichte für eine entspannte Runde im Biergarten! Wieso haben wir in Deutschland ein Reinheitsgebot? Und was steckt dahinter? Ich verrate es dir!

Ich gebe zu, in meiner Familie wurde der Bier-Stolz der Deutschen schon immer hoch gehalten. Es fing schon an, als mein Opa mir vor vielen Jahren stolz erzähle, wie viele Nährstoffe im Bier enthalten seien und er auch im Urlaub international nur deutsches Bier trinken wollte. Das klingt vielleicht überzogen, aber mein Opa mit seinen fast 80 Jahren schwört darauf, dass ein gutes Bier am Abend einfach jeden Tag verbessern kann.

Normalerweise kann ich die meisten verrückten Kombinationen bei Essen und Getränken zumindest im Ansatz verstehen (außer es geht um Nutella mit oder ohne Butter, das ist einfach entsetzlich!). Aber als ich dann von einer Freundin erfahren habe, dass sie in Amerika beobachten konnte, wie eine Gruppe amerikanischer Jugendlicher ihr Bier mit Eiswürfeln bestückt hat, bin ich fast wahnsinnig geworden! Das ruiniert doch den ganzen Geschmack! Okay, anderes Thema. Ich finde, meine Liebe zu deutschem Bier ist absolut angemessen. Und wenn du erst einmal weißt, wieso es so gut ist, wie es ist, wird es dir genauso gehen. Garantiert!

Was ist das deutsche Reinheitsgebot?

Unser deutsches Reinheitsgebot besagt, dass zur Herstellung von Bier nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Das dient der Erhaltung einer langen Tradition und einem ganz besonderen Geschmack. Im Gegensatz zu Brauereien im Ausland dürfen deutsche Brauereien somit keinerlei Farbstoffe, Aromen, Stabilisatoren, Enzyme oder Konservierungsstoffe verwenden. Diese begrenzte Liste schränkt aber keineswegs die Vielfalt ein! Den deutschen Brauern stehen noch immer rund 250 verschiedene Hopfensorten, 200 unterschiedliche Hefestämme und 40 verschiedene Malzsorten zur Verfügung. Welche nun verwendet und wie sie kombiniert werden, obliegt also immer noch der Brauerei. Das ist auch der Grund dafür, wieso wir trotz Reinheitsgebot immer noch so himmlisch herzlich darüber diskutieren können, welches Bier denn nun „das Beste“ ist.

Woher kommt das Reinheitsgebot in Deutschland?

Das Reinheitsgebot ist, wie schon erwähnt, schon ziemlich alt. Das Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 im bayerischen Ingolstadt von den Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. im Rahmen einer Landesordnung erlassen! Zwar war es zunächst nur eine Verordnung für das Herzogtum Bayern, doch nach der Verkündung wurde es von immer mehr Ländern übernommen und gilt seit 1906 als geltendes Recht in ganz Deutschland. Ein „Bier-Gesetz“ quasi.

Der Begriff „Reinheitsgebot“ ist übrigens um einiges jünger als das Gebot an sich. Die erste Erwähnung des Begriffs wird auf 1918 datiert, als ein bayerischer Landtagsabgeordneter erklärte: „Wir halten fest am Reinheitsgebote, weil wir der Tradition treu bleiben“. Eine ziemlich feierliche Aussage, nicht wahr? Noch zehn Jahre vorher war von einem „Surrogatverbot“ die Sprache gewesen, also von einem Verbot für Ersatzstoffe. Natürlich klingt „Reinheitsgebot“ oder auch „Reinheitsgesetz“ viel greifbarer und blieb schließlich so in den Köpfen der Menschen hängen.

Selbstverständlich hat sich die Brautechnik seitdem stark verändert. In offenen Bottichen über dem Feuer wird heute nicht mehr gebraut, aber das Grundprinzip hat sich nicht verändert. Heute werden Anlagen verwendet, die den Brauprozess genau steuern und kontrollieren können, doch die Zutaten sind immer noch dieselben wie 1516. Somit ist unser Reinheitsprinzip inzwischen über 505 Jahre alt. Für die meisten Brauereien hier in Deutschland dient das Reinheitsprinzip daher nicht nur als Selbstverständlichkeit, sondern auch als Ansporn. Schließlich bedarf es viel Kenntnis und Erfahrung im Umgang mit der Bierbraukunst, um aus wenigen Zutaten eine große Bandbreite an verschiedenen Biergeschmäckern zu zaubern.

Nicht nur national, auch international erfreut sich deutsches Bier immer weiter großer Beliebtheit. Besonders in Zeiten, in denen die Konsumenten sich wieder mehr der Natürlichkeit und Transparenz zuwenden, ist ein Gebot über die Zutatenliste. So weiß der Konsument ganz genau, was er bekommt.

Ist deutsches Bier das beste Bier?

Hier ist sie nun, die Frage aller Fragen. Selbstverständlich ist das eine Geschmacksfrage, über die wir lange diskutieren können (am Besten bei einem kühlen Bier). Klar ist jedoch, dass deutsches Bier nicht das meistverkaufte Bier der Welt ist. Das ist nämlich das aus China stammende „Snow Beer“. Auch unter die bekanntesten Biersorten der Welt mischen sich eher die auch bei uns beliebten Marken wie Heineken oder Carlsberg. Wer jedoch beim Netflix-Abend sehr aufmerksam ist, wird bemerken, dass sich deutsche Biermarken immer mehr unter die Filmlandschaft mischen. Es besteht also durchaus Hoffnung, dass wir uns auf der Beliebtheitsskala noch weiter nach oben kämpfen!

Und? Konnte ich deine Begeisterung für das deutsche Bier noch ein wenig anheizen? Ich hoffe es doch. Schließlich gibt es in Deutschland etwa 6000 Biermarken. Jede Menge Möglichkeiten, seinen Favoriten zu finden. Und wenn dich nun einmal jemand fragt, wieso du auf deutsches Bier bestehst, hast du eine ganze Geschichte parat! In diesem Sinne: Prost!

Quellen: www.stern.de , www.welt.de , brauer-bund.de , www.hopfenhelden.de
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Selbstverständlich ist Bier nicht nur pur ein Genuss, auch eingebunden in verschiedene Rezepte ist es wirklich himmlisch. Wenn du dein liebstes Bier nun direkt mit deiner liebsten Mahlzeit verbinden willst, haben wir hier einige Rezepte für dich parat:

Bier-Gulasch und Brötchen gemeinsam angerichtet in einem Topf. Dazu Thymian als Deko und ein kühles Bier. pinit

Und wenn es einmal etwas magischer sein darf, haben wir natürlich auch ein Rezept für Butter-Bier aus Harry Potter für dich! Mit unserem klassischen Bier hat das zwar nicht mehr viel zu tun, aber hey: Es schmeckt trotzdem toll!

Passend zu einem entspannten Abend mit einem kalten Bier darf natürlich auch etwas Fingerfood nicht fehlen. Serviere doch diese Gemüse-Chips oder unsere herzhaften Blätterteigschnecken mit Schinken und Käse und lass es dir gut gehen.