Als ich vor Kurzem bei meinen Eltern zu Besuch war, offenbarten sie mir ein Geheimnis, das sie während meiner gesamten Kindheit meinen Schwestern und mir verborgen hielten. Ein absoluter Klassiker, den wir als Kinder liebten, war „Gelbe Suppe“ mit Würstchen. Gerne und oft tischten uns die Eltern die cremige Suppe auf und wir verlangten meistens mindestens einen Nachschlag. Das lag nicht nur an der fleischigen Einlage, sondern auch an der Suppe selbst. Irgendwie schmeckte sie so schön aromatisch, nach allerlei guten Zutaten, aber sie war eben kein Eintopf. Denn – oh war das Gezeter groß, wenn ein solcher serviert wurde.

Zu viel Gemüse und Brühe, igitt igitt, das mochten wir damals wirklich nicht. Neulich nun beichteten meine Eltern, dass es sich bei Gelber Suppe um nichts anderes handelte als eben so ein Eintopf. Sie hatten die Zutaten einfach jedes Mal püriert, sodass wir nicht mehr erahnen konnten, was da ursprünglich auf dem Herd brodelte. Mit diesem einfachen Trick brachten sie uns drei Mädels also dazu, unser Gemüse zu essen.

Klar, dass Gemüse gesund ist, wissen wir alle. Unverständlich eigentlich, dass Kinder oft keine Fans von Spinat, Kohl und Co. sind. Aber es naht Rettung: Genau wie meine Eltern zeigt Bloggerin Armandine Bernardi mit ihrem Kochbuch „Grandioses Gemüse“, dass es einzig auf die Zubereitung und die Auswahl der Zutaten ankommt, um Gemüse in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Ihre Ideen begeistern dabei aber nicht nur Kids. Oder hast du schon einmal eine Crème Brûlée mit Spargel probiert?

Grandioses Gemüse rückt 35 Gemüsesorten in den Fokus

Bevor es mit den 100 Rezepten losgeht, versorgt Bernardi die Leser*innen erst einmal mit ein bisschen Theorie. Spannend sind etwa Grundlagen der Zutatenkombination: Welches Gemüse passt besonders gut zu Käse oder harmoniert mit welchen Kräutern und Gewürzen? Auch der Saisonkalender hat seine Berechtigung, denn er hilft, den Überblick über regionale Gemüsesorten und deren Erntezeit zu behalten. Einkauf und Zubereitung werden dadurch nachhaltiger.

Dann geht’s los: Die Sorten, die die französische Autorin zum grandiosen Gemüse auserkoren hat, sind unterteilt in tägliches Gemüse wie Tomaten, Paprika und Zucchini, Wiederentdeckungen wie Zwiebeln, Rettich und Artischocken und die weniger Beliebten, zu denen laut Bernardi etwa Kohl, Chicorée und Bete gehören. Aus insgesamt 35 Gemüsesorten hat die Französin „neue Lieblingsgerichte“ entwickelt. Zwar haben sich unter die Rezepte ein paar Klassiker geschlichen, die man auch ohne das Kochbuch schon kannte – als Beispiele seien hier Kartoffelauflauf mit Käse oder Karottenkuchen genannt. Aber es gibt trotzdem noch zahlreiche Ideen, auf die man so bisher noch nicht gekommen ist. Da wären ein Flan aus Tomaten, ein Soufflé aus Möhren oder ein Schokokuchen aus Rote Bete.

Ich vermutete zunächst, dass ich mich bei der Rezeptauswahl für diesen Beitrag direkt auf die unbeliebten Gemüsesorten stürze, in denen noch so viel mehr Potenzial steckt, als man denkt und die durchaus auch mal die Hauptrolle spielen können. Aber selbst unter den täglichen Gemüsen tummeln sich zahlreiche außergewöhnliche Ideen, sodass die Entscheidung gar nicht so leicht fällt. Ob der Aktualität entscheide ich mich am Ende für eine Crème Brûlée mit Spargel, denn die Stangen bevölkern nach und nach endlich wieder Super- und Wochenmärkte. Wenn du Fan von neuen Interpretationen bist und Zutaten gern mal anders denkst, dann lohnt der Blick aufs grandiose Gemüse.

Rezept für Crème Brûlée mit grünem Spargel und Parmesan

Zutaten für 4 Personen

  • 10 Stangen grüner Spargel
  • 1 TL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • 200 g Sahne
  • 3 Eigelb
  • 40 g frisch geriebener Parmesan
  • Salz, Pfeffer
  • etwas Rohrzucker

Zubereitung

Spargel von den holzigen Enden befreien und bei Bedarf schälen.

Das Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch und Spargel dazugeben, bei niedriger Hitze 8–10 Minuten braten.

Den Backofen auf 100°C (Umluft 80°C) vorheizen. Den Spargel mit der Sahne, dem Eigelb, Parmesan, Salz und Pfeffer im Mixer zu einer glatten, homogenen Masse pürieren. Die Masse in 4 Auflaufförmchen füllen. Im Ofen etwa 35 Minuten backen. Die Crème soll in der Mitte noch nicht ganz durchgegart sein.

Vollständig abkühlen lassen und in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren eine dünne Schicht Zucker auf die Crèmes geben und mit einem Bunsenbrenner (oder unter dem Grill des Backofens) karamellisieren.

Amandine Bernardi: „Grandioses Gemüse“, riva Verlag, 20,00 Euro.

Cover vom Buch Grandioses Gemüse
Buchcover „Grandioses Gemüse“ © riva Verlag

Jeden Montag stellen wir dir ein Kochbuch der Woche vor. Zuletzt sind wir zum Beispiel dank „80 mediterrane Klassiker, die du gekocht haben musst“ ans Mittelmeer gereist.