Ist es eine Handtasche? Ein Sportschuh? Ein Burger? Oder ist es Kuchen? Fragen wie diese beschäftigen aktuell die Streaming-Fangemeinde, denn Netflix bringt mit einer seiner neuesten Produktionen, der Gaming-Backsendung „Is it Cake?“, die Köpfe zum Rauchen. Und das kam so:

Is it Cake? Netflix ließ sich von Instagram-Trend inspirieren

Im Jahr 2020 rollte eine Meme-Welle über Instagram, Twitter und Co., die das Netz fast um den Verstand brachte. Die Menschen verbrachten coronabedingt plötzlich viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und sie kamen in dieser Zeit auf die verrücktesten Ideen. So trendete auf einmal der Hashtag #isitcake, und sämtliche Social-Media-Kanäle wurden von Fotos und Videos überflutet, in denen (Hobby-)Bäcker*innen Alltagsgegenstände in Kuchen verwandelten. Diese essbaren Kunstwerke sehen täuschend echt aus und ließen die Netzgemeinde zurecht sprachlos vor den Bildschirmen staunen. Einige regten sie zu weiteren Posts, Tweets und Memes an, in denen sich plötzlich ganz grundsätzlich gewundert wurde: Ist vielleicht alles nur Kuchen?

Findige Netflix-Produzent*innen kam kurzerhand die Idee, den Erfolg dieser Memes in einer TV-Show aufzugreifen. Neun Kandidat*innen waren dank ebendieses viralen Social-Media-Phänomens schnell gefunden. Ihre Aufgabe: Fast Food, Kleidung oder Flohmarktfunde nachzubacken und eine Jury zu überzeugen, ihr Kuchen wäre gar keiner. Und da ist ihnen (fast) jedes Mittel recht: Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Farbsprühdosen, Pinsel oder Spachtel zum Werkzeug in der Backstube gehören? Nur mit speziellem Equipment wird aus einem Kuchen nämlich am Ende auch ein hyperrealistischer Kuchen. Die Teilnehmer*innen von „Is it cake?“ schrecken – leider – nicht einmal vor unlauteren Mitteln zurück. Gleich in der ersten Folge zweifelt ein Kandidat an seinem eigenen Backwerk, einem mexikanischen Taco mit Salat. Kurzerhand verziert er einen der echten Tacos mit einigen seiner „falschen“ Tomaten, um die Jury doppelt aufs Glatteis zu führen.

Eben jene Jury muss nämlich am Ende den Kuchen unter insgesamt fünf präsentierten Gegenständen finden. Nicht nur hat sie dafür lediglich 20 Sekunden Zeit, sie steht dabei auch so weit von den zu bewertenden Objekten entfernt, dass man sogar als Zuschauer*in an der Machbarkeit dieser Aufgabe zweifelt. Und dennoch: Gleich in der ersten Folge schaffen es die drei Juroren, immerhin zwei Mal richtig zu tippen und den Kuchen zu entlarven.

Auch die Kandidat*innen selbst müssen ihr Auge fürs Detail unter Beweis stellen, denn nur, wenn sie zu Beginn selbst die gleiche Aufgabe meistern können wie später die Jury, dürfen sie überhaupt ins Rennen gehen und um das Preisgeld von bis zu 10.000 US-Dollar pro Folge backen.

Wenn Optik mehr zählt als Geschmack

Wer schon mal einen typisch amerikanischen Kuchen gegessen hat, weiß: Die sehen meistens super aus, aber geschmacklich sind sie manchmal eine mittelschwere Enttäuschung. Zu viel Fondant, zu viel Zucker, zu viel Creme – kurz: von allem zu viel. Vielleicht können die Kandidat*innen da von Glück reden, dass bei „Is it Cake?“ einzig das Aussehen und nicht der Geschmack der Torten zählt. Denn probieren dürfen die Juroren das Gebackene erst, wenn sie sich für einen Kuchen entschieden haben. Sie beteuern dann zwar, wie überzeugend dieser schmecke, aber wie gut kann ein Stück Torte schon sein, bei dem man sich erst einmal durch zentimeterdicke, zuckersüße und formgebende Fondantmasse graben muss, bevor so etwas wie Teig oder Frucht zum Vorschein kommt?

Insofern ist „Is it Cake?“ wohl eher Game- als Backshow, das Aussehen wichtiger als der Geschmack. Immerhin: Die Bäcker*innen scheinen sich im Vorfeld tatsächlich Gedanken über Zutaten und deren Zusammenspiel zu machen und erklären später, welchen Teig und welche Füllung sie zubereitet haben.

Die Netflix-Sendung lässt außerdem so einige Fragen offen: Sitzen die Kandidat*innen, die in einer Folge nicht selbst in der Backstube stehen, wirklich die gesamten acht Stunden daneben und schauen der Konkurrenz beim Werkeln zu? So viel Zeit hat diese nämlich, um ihre realistischen Torten zu zaubern. Und wer backt eigentlich all die anderen hyperrealistischen Kuchen, die die Show-Teilnehmer*innen gleich zu Beginn einer Folge enttarnen müssen? (Die Antwort gibt Show-Produzent Dan Cutforth hier.) Unterhaltend ist die neue Show allemal, schließt sie doch an Erfolgsformate wie „Nailed it“ und „Baking Impossible“ an. Da bekommt man fast schon selbst Lust, Mehl, Zucker und Tuschkasten aus der Schublade zu holen, um Quitsche-Entchen oder die neuen Sneaker nachzubacken.


Netflix: Is it Cake?, 2022, 1 Staffel