Anlässlich des Weltfrauentags haben wir mit Anja Würfl gesprochen. Sie ist Co-Gründerin und Chefredakteurin vom BBQ-&-Food-Magazin „Die Frau am Grill“. Ursprünglich wollte sie als Pilates-Trainerin nur Ernährungstipps und Verbesserungsvorschläge geben und hat ihre Künste auch am Grill für Kunden und Kundinnen angeboten.

In diesem Zuge hieß es dann anfangs eher scherzhaft „guck mal hier ‚die Frau am Grill‘, so etwas braucht es eigentlich noch in der heutigen Medienlandschaft.“ Das Format war so erfolgreich, dass es abgekapselt und zu einem eigenständigem Blog wurde. Daraus wiederum ist dann das BBQ-&-Food-Magazin entstanden. Anja wollte sich irgendwann nicht mehr alleine als „die Frau am Grill“ präsentieren. Mittlerweile ist eine Plattform gewachsen, auf der Foodies und insbesondere Grillfans voll auf ihre Kosten kommen. So gehört inzwischen neben der auf Instagram erfolgreichen Julia Reimann mit ihrem Account „julchen_kocht“ auch Grillweltmeister Oliver Sievers mit zum Redaktionsteam.

EAT CLUB: Frau Würfl wann haben sie gemerkt, dass die „Frau am Grill“ ein Format ist, das man dringend braucht?

Anja Würfl: Mir ist sehr wichtig, dass die Frau bei „Frau am Grill“ einen Platz hat. Es war nicht unbedingt der erste Impuls, den ich hatte, als wir das Projekt begonnen haben. Ich habe aber festgestellt, dass Frauen in diesen Kreisen wenig zu sagen haben und ihnen wenig Platz geboten wird. Der Zuspruch von Frauen war enorm, aber auch das Feedback von Männern war fast durchgehend positiv. Ich habe allerdings schon gemerkt, dass man da ein bisschen aneckt.

Inwiefern?

Na ja, der Titel hat, glaube ich, manche schon provoziert. Es ist ja beispielsweise nicht Anja grillt sondern „die Frau grillt“. Vielleicht dachten sich manche, dass ihnen jetzt die letzte Männerdomäne auch noch weggenommen wird. Nach dem Motto: Die Frauen haben ja schon viele Zepter an sich gerissen, vielleicht ist die Grillzange ja wirklich das Letzte, was den Herren bleibt (lächelt). Aber diese Kritik hat mich nur motiviert und ich dachte mir ‚jetzt erst Recht‘. Das waren aber auch wirklich absolute Ausnahmen. Die meisten denken da glücklicherweise fortschrittlich und modern.

Warum glauben Sie grillen so wenige Frauen?

Gute Frage. Sehr schwierig, das zu verallgemeinern und ich bin natürlich auch keine Wissenschaftlerin. Eventuell steckt da ein bisschen Sozialisierung drin, dass Frauen beziehungsweise Mädchen sich nicht schmutzig machen sollen. Ich bin auf dem Land groß geworden und dort wird man immer dreckig, aber das kann man wiederum auch als ein Klischee darstellen, und das macht die Thematik sehr komplex und vielschichtig. Ich glaube aber schon, dass es mit dem dreckig machen zusammenhängen könnte. Der Ruß, das Feuer und die Kohle. Ich weise dann meistens darauf hin, dass es auch Gas- und Elektrogrills gibt. Im Freundeskreis und bei Bekannten ist schon auffällig, dass es in der Regel die Männer sind, die grillen. Ich würde auch behaupten, ein Mann fühlt sich am Grill sehr viel männlicher als in der Küche. Witzig ist auch, dass viele Männer durch uns auf einmal Rezepte wie Windbeutel auf dem Grill ausprobieren. Man schafft also den Spagat zwischen einem vermeintlichen Frauenthema, welches dann aber am Grill von Männern umgesetzt wird, die in der Küche dann wahrscheinlich nicht backen würden. Ganz interessant.

Gegrillte Windbeutel: Das Rezept dazu, findest du am Ende des Textes. Credit: Die Frau am Grill
Anja Würfl bei ihrer kulinarischen Tätigkeit. Für sie gehört Grillen und Outdoor-Cooking im Dutch Oven zusammen. Credit: Die Frau am Grill

Total. Wie grillen Sie denn am liebsten auf Gas oder mit Kohle? Schmeckt man denn da Ihres Erachtens einen Unterschied?

Das kommt ganz darauf an, ob ich etwas lange grillen möchte oder ein schnelles Grillgut habe. Wenn man einen Unterschied schmeckt, ist das eher ein Zeichen dafür, dass man das Grillgut zu früh aufgelegt hat oder der Kohlenrauch stieg noch auf. Ich habe mal einen Test mit Bier-Hendl gemacht, da hat man keinen Unterschied geschmeckt. Wenn man hingegen über offenem Feuer grillt, schmeckt man das auf jeden Fall.

Und die zweite Kardinalsfrage. Mit Bier ablöschen ja oder nein?

Lieber in Bier marinieren. Man wirbelt doch die ganze Asche auf. Das arme Bier sollte man lieber trinken. Vom Marinieren hat man definitiv mehr. Auch Rotwein in der Brätmasse von Chorizo oder Ouzo im Hackfleisch für Cevapcici ist wirklich köstlich.

Grillen Sie das ganze Jahr, sogar im Winter ?

Ich sage immer von April bis März. Und ja klar auch im Winter. Frisch gegrillte Lebkuchen mit einer Tasse Glühwein in der Hand, um einen herum die verschneite Landschaft, die Wärme vom Grill, das ist toll! Selbst den Boden für eine Schwarzwälder Kirsch Torte habe ich schon einmal im Winter gegrillt.

Verrückt. Gibt es ein Gericht für Sie, das man nicht grillen kann?

Bisher gab es noch nichts, was ich nicht grillen konnte. Mit einem Dutch Oven beispielsweise ist eigentlich alles möglich, was auch im Ofen funktioniert. Allerdings gibt es immer wieder Herausforderungen – wie eine knusprig aufgepoppte Kruste beim Schweinebraten.

Was gehört für Sie auf jedes gute Barbecue-Buffet?

Die richtige Antwort wäre wahrscheinlich die Heilige Dreifaltigkeit des Grillens, sprich Roastbeef, Spareribs und Pulled Pork. Den Hype um Letzteres kann ich aber nicht ganz nachvollziehen. Es sollte für mich ausgewogen sein mit vegetarischen Beilagen. In Curry-Öl eingelegte Zucchini mit Sauerrahm-Dip oder Beilagen wie Teriyaki-Kartoffeln gehören für mich genauso dazu wie ein schönes Roastbeef oder Entrecôte. Auch Gemüsemuffel kann man damit überraschen und überzeugen.

Nicht nur Fleisch, sondern auch vegetarische Gerichte und Ausgewogenheit gehören für Anja Würfl auf ein Grilbuffet. Auch ein Zwiebelkuchen lässt sich beispielsweise im Dutch Oven auf dem Grill zubereiten. Credit: Die Frau am Grill.

Was gehört für Sie gar nicht auf den Grill?

Exotische Tiere. Ich finde, man sollte schon einen Bezug und Zugang zum Fleisch haben. Generell finde ich es schwierig, bestimmte Lebensmittel per se abzulehnen oder gar zu verteufeln. Man sollte Respekt haben vor dem Tier und dazu gehört eben meiner Meinung nach auch das ganze Tier zu verwerten und nicht nur die Filets. Man sollte immer alles probieren. Ich selbst bin das beste Beispiel. Bis vor kurzer Zeit habe ich kein Lamm gemocht, mittlerweile esse ich sogar Hammelfleisch. Geschmack ändert sich auch immer wieder. Ich finde, dass wir da in der Gesellschaft, gerade in der heutigen Zeit, ein wenig umdenken sollten.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Hier haben wir noch die Verlinkung zur Website, mit dem Windbeutelrezept für den Grill für euch! Außerdem haben wir hier auch noch einige tolle Rezepte, um euren nächsten Grillabend perfekt zu machen.