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Mehligkochende Kartoffelsorten – unsere 3 Lieblinge

Der Schwede ist blau, Bintje soll ausreisen und die Schweizer nehmen fürs Rösti Ackersegen. Wir erklären, was es mit mehligkochenden Kartoffelsorten auf sich hat und stellen unsere drei Lieblinge vor.

mehligkochende Kartoffeln in einem Korb auf dunklem Holz in der Draufsicht.
Mehlige oder festkochende Kartoffeln? Wir erklären die Unterschiede und warum der Blaue Schwede ein Südamerikaner ist. © Shutterstock/ Sea Wave

Weltweit gibt es etwa 5.000 verschiedene Kartoffelsorten – mehligkochende Kartoffelsorten und festkochende Knollen. 2019 wurden, laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, weltweit 370 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Worin sich die Sorten unterscheiden, lässt sich mit bloßem Auge erkennen. Aber woran unterscheiden sich mehligkochende Kartoffelsorten und festkochende Kartoffeln?

Mehligkochende Kartoffelsorten und festkochende Knollen – die Unterschiede

Ausschlaggebend für die Kocheigenschaften einer Kartoffel ist der Gehalt an Stärke. Der Stärkegehalt von festkochenden Knollen liegt zwischen 9 und 12 Prozent, der von vorwiegend festkochenden Kartoffeln zwischen 12 und 15 Prozent. Mehligkochende Kartoffeln besitzen ungefähr 15 bis 18 Prozent Stärke.

Deshalb zerfallen mehligkochende Kartoffeln nach dem Kochen. Experten beschreiben ihre Konsistenz eben als mehlig, weich und grobkörnig. Kommen sie als Pellkartoffeln zum Einsatz, zerplatzt ihre Schale oftmals bereits beim Kochen. Ideal sind mehligkochende Kartoffeln für die Zubereitung von Pommes und Ofengartoffeln sowie Gnocchi, Püree, Schupfnudeln und Kroketten. Sie haben also beste Voraussetzungen für diese Gerichte:

Es ist klar, dass es bei weltweit etwa 5.000 verschiedene Kartoffelsorten ziemlich viele mehligkochende Kartoffelsorten gibt. Deshalb haben wir unsere drei Lieblinge gekürt.

Aus Skandinavien: Blauer Schwede

Der Blaue Schwede ist auch unter den Namen Idaho Blue und Blue Congo bekannt. Die Sorte behält selbst nach dem Kochen noch ihre ungewöhnlich Farbe und Marmorierung.

Der Blaue Schwede zählt zu den alten mehligkochenden Kartoffelsorten und kommt aus Südamerika. Im Hochland der Anden wurden bereits vor rund 8.000 Jahren Kartoffeln angebaut. Von dort aus gelangte er in den Norden Europas. Er schmeckt intensiv und leicht süßlich. Die Sorte ist als Püree ein Hingucker. Vor allem Kinder sind überrascht, wenn ihr Püree mal nicht gelb ist. Zum Blaue-Schweden-Püree noch Erbsen und Möhren servieren, und der Farb-Flash ist garantiert. Und hast du schon mal lila Gnocchi gesehen? Der Hammer! Stell dich schon mal auf die doofe Frage ein: „Wie viel Schnaps hast du der Kartoffel gegeben, dass die so blau geworden ist?“ Tätätä!

Streit mit Holland: Bintje soll ausreisen

Die mehligkochende Kartoffelsorte Bintje ist der Klassiker der Kartoffelküche. Der niederländische Botaniker Kornelis Lieuwes de Vries (1854-1929) züchtete sie 1905 aus den beiden Sorten Munstersen und Fransen. 1910 kam sie auf den Markt und innerhalb weniger Jahrzehnte war sie in aller Munde. Neben mit Perwoll gewaschen und Sugus Sugus von Suchard wurden Verbraucher:innen dann einige Jahrzehnte des letzten Jahrtausends mit dem nervigen Slogan Die gute Bintje aus Holland gequält. Argh!

Anfang der 1990er kam es wegen Bintje zwischen holländischen Züchtern und deutschen Verbraucher- und Umweltschützer*innen zum Streit. Der Grund: Die in deutschen Großküchen, Pommes-Buden und Lebensmittel-Fabriken omnipräsente Bintje brauchte angeblich fünf mal mehr Pestizide als andere mehligkochende Kartoffelsorten. Der Ernährungswissenschaftler Gerd Billen sprach sogar von holländischen Giftknollen. Das Band war zerschnitten. Es wurde aber wieder genäht. Heute ist die Ehre der Bintje wieder hergestellt. Prima, denn sie hat schönes gelbliches Fleisch und schmeckt cremig-mild!

Von Hessen in die Schweiz: Ackersegen

Die wichtigsten Eckdaten: Jahrgang 192., Geburtsort: Groß-Bieberau in Hessen. Unkompliziert, ertragreich, von angenehm buttrigem Geschmack und mit einer charakteristisch würzigen Note. Das klingt nach einer langweiligen Anzeige in der Bekanntschaften-Rubrik. Aber: Keine mehligkochende Kartoffelsorte würde sich so lange auf dem Markt behaupten, wäre sie nicht etwas Besonderes. Und das ist sie: Ackersegen ist perfekt für Bratkartoffeln und Rösti, dem Schweizer Nationalgericht. Dies erkannten auch die schlauen Schweizer*innen. In den 1940er- und 1950er-Jahren eroberte Ackersegen deshalb vor allem die Herzen und Kochtöpfe unserer helvetischen Nachbar*innen. Ich vergesse aber nicht, dass Schweizer*innen mir einmal in Bern Ackersegen als Gschwellti, also Pellkartoffeln, servierten. Für Pellkartoffeln nimmt man festkochende Kartoffeln. Fast vergessen, aber vergeben.

Jetzt schauen wir noch schnell auf ein paar Kartoffelteller:

Weitere mehligkochende Kartoffelsorten sind Belle de Moncrabeau, Gala, Finka, Golden „Steve“ Wonder, Highland Burgundy Red, Reichskanzler (sic!) und Margit. Meine Oma sagte gern: „Im Gegensatz zum Reichskanzler ist eine Margit schön lagerfähig.“

Facts und Fun Facts

Angestellte der Kirche verdammten die Knolle einst sogar als „dämonisches, lüsternes Gewächs und als Frucht des Bösen“, die sogar Lepra oder die Pest verursache. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Kartoffel als Zierpflanze verbreitet. Die Bauern wollten sie nicht essen, denn was der Bauer nicht kennt, dass isst er bekanntermaßen nicht. Auch keine mehligkochenden Kartoffeln. Erst Friedrich II. (1712-1786), aka Friedrich der Große, schaffte es mit einem Trick, dass Kartoffeln einen festen Platz auf der deutschen Speisekarte bekamen. Er ließe die Pflanzen von Soldaten bewachen. Damit wurde die Knolle etwas Besonderes. Und das möchte jede*r haben. Plötzlich hieß es „ran an die Kartoffel.“

Noch mehr Tipps und Infos rund um die gesunde und wohlschmeckende Knolle haben wir in der Galerie für dich zusammengestellt. Klick dich doch einmal durch:

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