Mit diesem Rezept reisen wir in die italienische Region Umbrien und lernen mehr über das traditionelle Gebäck Torcolo.

Umbrien liegt so zentral, dass es die einzige Region Italiens ist, die weder an der Küste noch an einer Grenze liegt. Eingekesselt von ihren Nachbarregionen Latinum, Toskana und Marken, hat Umbrien eine große Fläche an Gebirge, Hügeln und Wäldern. Wasser gibt es hier trotz Entfernung zum Meer auch: Der Trasimeno See ist einer der größten Seen Italiens. Seine Ufer zeichnen sich durch ihren fruchtbaren Boden aus, die ideale Anbaustelle für Wein und Oliven, und perfekte Weiden zum Grasen gibt es auch. Nicht nur die mittelalterlichen Ortschaften teilt sich Umbrien mit der bekannteren und besser besuchten Toskaner. Auch was Essen angeht, kann Umbrien mit der größeren Nachbarsregion mithalten.

Torcolo aus Perugia: Das Gebäck des Schutzheiligen San Constanzo

Anstatt Kuchen, die es in verschiedenen Versionen italienweit gibt, wie die Torta della Nonna, gibt es in Umbrien viele Süßspeisen, die tief in den religiösen Traditionen der Region verankert sind. So auch die Spezialität Torcolo aus Perugia, der Hauptstadt der Region. Das Gebäck aus Hefeteig mit kandierten Früchten, Rosinen und Nüssen erinnert an traditionell italienische Weihnachts- und Osterkuchen. Auch der Torcolo wird an einem religiösen Feiertag zubereitet und gegessen. Einem Feiertag, der nur in Perugia gefeiert wird: der 29. Januar, der Tag des Schutzheiligen der Stadt, San Constanzo.

San Constanzo ist der erste Bischof Perugias gewesen und seine Gläubigkeit hat ihn sein Leben gekostet. Um circa 170 nach Christus wurde er unter der Herrschaft des römischen Reiches hingerichtet und so zum Märtyrer für die Christen in Umbrien. Seinem Schicksal wird jedes Jahr am 29. Januar gedenkt. Bei dieser Veranstaltung spielt der Torcolo eine wichtige Rolle. Wie viele Traditionen umringt auch das Gebäck einige Legenden. Manche versuchen, seine besondere Ring-Form zu erklären. Eine Variante besagt, dass sie dem Kopfschmuck, den San Constanzo trug, als er geköpft wurde, nachempfunden ist. Eine andere zeigt die Ähnlichkeit mit einem Verlobungsring auf.

Das hellsehende Porträt des San Constanzos

Der Heilige hat eine besondere Beziehung zu Ehen: Er soll sie voraussagen können. Oder zumindest sein Porträt in der ihm gewidmeten Kirche. Aber nur an einem Tag im Jahr, dem 29. Januar. Unverheiratete Frauen sollen an diesem Tag das Porträt fragen, ob sie im kommenden Jahr heiraten werden. Wenn das Abbild des Heiligen blinzelt bedeutet das Ja, wenn nicht, dann Nein. Diejenigen, die von der Antwort enttäuscht sind, ob Ja oder Nein, sollen als Trost ein Stück des süßen Feiertagsbrotes essen. Was nicht schwer zu bekommen ist am Tag des Heiligen. Während der Feierlichkeiten, bei der es sogar eine Prozession und eine Nachstellung der Ereignisse des Lebens des Heiligen gibt, kann man das runde Gebäck überall finden.

Um den Torcolo zu genießen, muss es aber nicht der 29. Januar sein und du musst auch nicht versuchen, deine Zukunft von einem Heiligenporträt vorhergesagt zu bekommen. Du musst nicht mal in Perugia sein. Mit unserem Rezept kannst du dir das traditionelle Gebäck mit so viel Geschichte einfach selbst machen. Auch die Früchte kannst du selbst kandieren, wir erklären dir gerne, wie. Schau einfach in unserem Kochlexikon vorbei. Dort findest du auch einige Einträge zum Thema Backen und Tipps, die du dabei beachten solltest. Mit diesen im Hinterkopf, kannst du noch viel mehr als den Torcolo selbst machen:

Torcolo aus Umbrien

Schwierigkeit: Anfänger Vorbereitungszeit 20 min Zubereitungszeit 45 min Ruhezeit 2 Stunde Gesamtzeit 3 hrs 5 Min. Portionen: 1 Beste Saison: Winter

Beschreibung

Torcolo wird schon seit dem 17. Jahrhundert traditionellerweise zu Ehren des Stadtheiligen San Constanzo gebacken. In dem Hefeteig steckt also noch einiges mehr als nur kandierte Früchte, Rosinen und Pinienkerne. Wie so viel Geschichte schmeckt, kannst du herausfinden, wenn du die Schritte unseres Rezeptes befolgst. 

Zutaten

Zubereitung

Den Hefeteig vorbereiten:

  1. Rühr die Trockenhefe unter das warme Wasser und lasse die Mischung zugedeckt etwa fünf Minuten ruhen. Gib das Mehl in eine große Schüssel und forme eine Mulde in seiner Mitte. Gieß die Hefe-Mischung in die Mulde und verknete die Flüssigkeit mit dem Mehl, bis ein homogener, fester Teig entstanden ist. Decke die Schüssel mit einem Küchentuch ab und lasse den Teig an einem warmen Ort für etwa eine Stunde gehen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat.

Den Teig vervollständigen:

  1. Wenn der Teig fertig geruht hat, heb das Olivenöl und die weiche Butter unter, bis sie vollständig in dem Teig eingearbeitet sind. Hacke die kandierten Früchte und die Pinienkerne in kleine Stücke und vermische sie mit den Rosinen, dem Zucker und dem Salz. Heb die Nuss-Frucht-Mischung unter den Teig.

  2. Der Teig mit den vielen Zutaten versetzt sollte leicht zum Kneten sein und nicht an den Händen kleben bleiben. Füg wenn nötig etwas mehr Mehl hinzu und forme alles zu einer weichen Teig-Kugel. Bedeck diese erneut und gib dem Teig eine weitere Stunde Zeit zum Gehen.

Das Trocolo backen:

  1. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.

  2. Knete den gegangenen Teig kurz durch und forme ihn zu einem Ring. Platziere ihn am besten in eine runde Kuchenform, beispielsweise für einen Gugelhopf, damit sich die Mitte nicht beim Backen schließt.

  3. Verquirle das Eigelb und bestreiche die Oberfläche des ringförmigen Torcolo gleichmäßig damit. Schieb den rohen Teig in den Ofen und backe ihn für etwa 40 bis 50 Minuten, bis sich seine Oberfläche braun gefärbt und das Volumen erneut etwas vergrößert hat.

Servieren und genießen:

  1. Bestreu den frisch gebackenen Torcolo mit Puderzucker und serviere ihn in Stücke geschnitten.