Kaum ein Thema rund um die Kindererziehung diskutieren Eltern und Pädagogen so hitzig wie ein fleischloser oder gar veganer Speiseplan. Das liegt vor allem an Unverständnis, wenig Forschung und ideologischen Aspekten. Polnische Wissenschaftler veröffentlichten jetzt eine Studie, in der sie sich damit beschäftigt haben, ob Kinder vegan zu ernähren gesund ist oder doch zu körperlichen und geistigen Defiziten führt.

Immer mehr Erwachsene folgen dem Veggie-Trend und ernähren sich vegetarisch oder sogar vegan. In Deutschland sind es mittlerweile über neun Millionen Menschen, die fleischlos oder ganz ohne tierische Produkte essen. Die Gründe dafür, auf Fleisch als Teil des Speiseplans zu verzichten, sind vielfältig: Tierschutz und Nachhaltigkeit stehen ganz oben auf der Liste der Pro-Argumente. All das ist aber hinfällig, sobald die Gesundheit eines Kindes auf dem Spiel steht. Deswegen stellen sich viele Eltern, aber auch Wissenschaftler die Frage, ob es ratsam ist, bei der Kinderernährung auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten. Die bisher veröffentlichten Studien dazu fallen sehr unterschiedlich aus. Aus Polen kommen jetzt jedoch neue, interessante Forschungsergebnisse…

Bisherige Studienergebnisse fielen unterschiedlich aus

In einer Studie aus den Achtzigern hieß es, dass vegan ernährte Kinder aufgrund physischer Mängel nicht nur ins Krankenhaus mussten, sondern teilweise sogar verstarben. Noch immer schüren Informationen dieser Art Ablehnung und Unverständnis und führen zu emotionalen Debatten, in denen Wörter wie „Kindeswohlgefährdung“ fallen. Es geht bei diesem Thema immer weniger um tatsächliche, gesundheitliche Fakten und mehr um ideologische Ansichten, die auf längst überholten Studienergebnissen beruhen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern des UCL Great Ormond Street Institute of Child Health hat sich dieser Fragestellung noch einmal angenommen. In einer Studie begleiteten sie deshalb 200 Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren über 24 Monate hinweg. Aufgeteilt in drei Testgruppen, fleischhaltige, vegetarische und vegane Ernährung, konnten die Forscher die Ergebnisse soweit miteinander vergleichen, dass die Studie als repräsentativ gilt.

Ab welchem Alter vegane Ernährung bei Kindern eine Option ist

Die beobachteten Kinder waren ausschließlich zwischen fünf und zehn Jahren alt. Diese Altersgruppe wurde auch aufgrund der Tatsache ausgesucht, dass für Säuglinge in der Regel Muttermilch die Nahrung der Wahl ist. Sie enthält nicht nur immunbildende Stoffe, sondern schützt auch vor Adipositas. Außerdem stärkt Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind. Das sind wichtige Faktoren bei der Frage, was Kinder brauchen, um gesund aufzuwachsen. Ärzte raten stillenden Veganerinnen beispielsweise, gezielt darauf zu achten, genügend Vitamin B12 zu sich zu nehmen. Muttermilch mit pflanzlichen Alternativen zu ersetzen sollte jedoch strengstens vermieden werden. Soja- und Mandelmilch können besonders bei sehr kleinen Kindern zu einer allergischen Reaktion führen. Das kann schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen!

Unsere Empfehlung: Bei Schwierigkeiten, offenen Fragen und Beratungsbedarf solltest du dich immer an Kinderarzt oder Hebamme wenden!

Im Alter von fünf Jahren ist das Stillen jedoch in den meisten Fällen beendet und die Kinder nehmen feste Nahrung zu sich. Sie können sogar schon entscheiden, was sie mögen und was ihnen nicht so gut schmeckt. Besonders in diesem Alter stellt die Ernährung die Weichen für einen gesunden Körper.

Die Forschung der UCL Great Ormond Street Institute of Child Health fokussierte die Studien in den drei Testgruppen auf Körpergröße, das kardiovaskuläre Risiko und die Versorgung mit Mikronährstoffen. Das offensichtlichste Ergebnis: Vegan ernährte Kinder waren durchschnittlich drei Zentimeter kleiner als die Kinder der Testgruppe, auf deren Speiseplan etwa Fleisch und andere tierische Produkte standen.

Die Kinder der veganen Kontrollgruppe zeigten außerdem eine geringere Knochendichte und ein drei mal höheres Risiko für Vitamin-B12-Mangel. Eigentlich ein eindeutiges Ergebnis, das durch andere Testergebnisse jedoch relativiert werden konnte.