Crostata di Ricotta e Visciole aus Latium

Ein Stück der Crostata Ricotta e Visciole mit Puderzucker bestreut, neben Eiern, einem Glas mit Kirschen und getrockneten Weizenstängeln, auf einem Holzbrett von Oben.
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Die italienische Hauptstadt Rom liegt in der Region Latium. In Latium gibt es aber noch mehr zu entdecken als die imposante Metropole voller historischer Monumente und wichtiger Geschichten. Wenn man die Stadt hinter sich lässt, bietet die Region einem wunderschöne Strände, kleine Örtchen und sanfte Hügel, die zum Anbauen von Weintrauben, Früchten und Gemüse geeignet sind. Ausflüge aufs Land sind perfekt, wenn du etwas Auszeit von dem lebhaften Treiben der Hauptstadt brauchst. Erkundungstouren innerhalb Roms können dich aber auch an unerwartete Orte bringen. Wusstest du zum Beispiel über die jüdisch-römische Gemeinschaft mit ihrem eigenen Viertel, eigner Kultur und Küche Bescheid? Hier stellen wir dir eines der traditionellen Desserts aus der sogenannten Cucina Giudaico Romanesca, der jüdisch-römischen Küche, vor: die Crostata di Ricotta e Visciole!

Falls du auf die Frage oben mit „Nein“ antworten musstest, geben wir die einen sehr kleinen Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Rom. Denn ohne sie könnten wir nicht das Rezept für die Crostata di Ricotta e Visciole vorstellen. Das ist übrigens eine Art Tarte mit Ricotta und Sauerkisch-Füllung, zu ihr kommen wir später zurück.

Die jüdische Gemeinschaft in Rom und die Rolle der Crostata Ricotta e Visciole

Rom war bereits in der Antike, etwa seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus, die Heimat einer großen jüdischen Gemeinschaft. Die Stadt bot seitdem vielen Flüchtlingen, die wegen ihrer jüdischen Identität ihre Heimat verlassen mussten, ein Zufluchtsort. Eine große Welle der Immigration folgte einem spanischen Dekret im Jahre 1492, das als Ziel hatte, die jüdische Gemeinschaft aus Spanien zu vertreiben. Bis ins Jahr 1555 nahm die italienische Stadt die Flüchtlinge der Inquisition auf, doch dann änderte sich der tolerante Umgang mit der nun ansässigen jüdischen Bevölkerung. Auf Bestimmung von Papst Paul IV durften Juden nur noch in einem abgetrennten Teil der Stadt wohnen: dem jüdischen Ghetto.

In den folgenden Jahrhunderten kamen weitere diskriminierende Gesetze hinzu. So soll auch die Crostata Ricotta e Visciole als Folge eines Verbotes entstanden worden sein. Im achtzehnten Jahrhundert soll der Papst es den Juden verboten haben, Milchprodukte an Christen zu verkaufen. Erlassen, um der jüdischen Gesellschaft ökonomisch zu schaden, fanden die Juden einen Weg, dem Gesetzt zu entgehen. Jüdische Bäcker kreierten eine Crostata, in der man den Ricotta versteckte. Abgedeckt mit einer weiteren Teigschicht, soll so der Käse an den päpstlichen Wachen vorbeigeschmuggelt worden sein.

Heute ist diese Maßnahme zum Glück nicht mehr notwendig, sodass häufig die traditionelle Crostata-Abdeckung mit dem Gittermuster verwendet wird. Vielleicht auch um zu zeigen, dass die jüdische Gemeinschaft nichts mehr zu verstecken hat. Besonders nicht die Crostata Ricotta e Visciole. In deren Genuss musst du einfach kommen. Am besten natürlich direkt von einer der traditionellen Bäckereien, wie es sie noch heute in den ehemaligen Ghettos gibt.

Neben dem Ricotta sind auch die Kirschen ein wichtiger Bestandteil der jüdisch-römischen Tarte. Das fruchtige Aroma harmoniert schön mit der Ricotta-Creme und dem süßen Teig. Kirschen überzeugen in vielen süßen Gerichten. Wenn du mehrere davon ausprobieren willst, empfehlen wir die Windbeutel mit Kirschen sowie die Kirschtarte mit Streuseln.

Crostata di Ricotta e Visciole aus Latium

Schwierigkeit: Mittelschwer Vorbereitungszeit 20 min Zubereitungszeit 40 min Ruhezeit 30 min Gesamtzeit 1 hr 30 Min.

Beschreibung

Die Crostata Ricotta e Visciole ist ein traditionelles Dessert der jüdisch-römischen Küche. Die traditionelle Tarte mit zitronigem Teig, frischer Ricotta-Creme und fruchtig-sauer Kirsch-Füllung wird heute noch in den jüdisch-römischen Bäckereien des alten jüdischen Viertels angeboten.

Zutaten

Für den Teig

Für die Füllung:

Zubereitung

Den Teig vorbereiten:

  1. Vermenge in einer großen Schüssel das Mehl mit dem Zucker. Schneide die Butter in kleine Würfel und arbeite sie mit den Händen in die Mehl-Zucker-Mischung ein, sodass kleine Teig-Krümel entstehen.

  2. Anschließend den Zitronenabrieb, das Ei und das Eigelb dazugeben und alles zusammen so lange verrühren, bis ein weicher, homogener Teig entstanden ist. Forme diesen zu einer Kugel und lass ihn etwa 30 Minuten im Kühlschrank ruhen.

Die Füllung zubereiten:

  1. Die Füllung kannst du während dieser Wartezeit vorbereiten. Dazu gib Ricotta, die Eier und den Zucker in eine Schüssel und schlage die Zutaten solange, bis eine schöne Creme entstanden ist.

Die Tarte bauen und backen:

  1. Heize den Backofen auf 180 Grad vor und fette eine 26 cm Kuchenform gut ein.

  2. Sobald der Teig geruht hat, unterteile ihn in ein Drittel und zwei Drittel. Rolle den größeren Teil zu einem etwa drei Zentimeter dicken, runden Teig aus. Lege mit dem Teig den Boden der runden Kuchenform aus und stich ihn mit einer Gabel einige Male ein.

  3. Entkerne und halbiere die frischen Kirschen. Verstreiche die Sauerkirschen-Konfitüre gleichmäßig auf dem Kuchenboden und verteile auf ihr die frischen Kirsch-Hälften. Anschließend die vorbereitete Ricotta-Creme über die Kirschen gießen und ebenfalls schön verstreichen.

  4. Jetzt für den letzten Schliff noch den restlichen Teig verarbeiten. Rolle ihn 3 cm dick aus und schneide ihn in schmale Streifen. Lege die Teigstreifen im Gittermuster auf die Ricotta-Füllung und schließe damit den Kuchen ab.

  5. Schiebe den Kuchen in den vorgeheizten Ofen und backe ihn für etwa 40 Minuten, bis das Teigmuster eine goldene Farbe annimmt und die Füllung etwas ausgehärtet ist.