Oft tarnt es sich in Form von Krebsfleisch- oder Garnelen-Imitat im Supermarkt. Besonders beliebt ist die stäbchenartige Form, die hier und da auch als Crab-Sticks bezeichnet wird. Durch die rötlich-weiße Färbung wird direkt eine Assoziation mit Meeresfrüchten beim Betrachter hergestellt. Doch was ist wirklich drin in Surimi? Hat es wirklich gar nichts mit Meeresfrüchten gemein? Und was ist dran an dem Gerücht, dass für Surimi Fischabfälle verwendet werden? Wir gehen der Sache mal auf den Grund und schauen uns dieses Produkt genau an.


Ursprünglich stammt Surimi aus Japan, wo es bereits eine jahrhundertelange Tradition hat. Von hier aus hat sich Surimi im 20. Jahrhundert in die ganze Welt verbreitet und ist nun ein industriell hergestelltes Lebensmittel. Während Japan und mittlerweile auch die USA die größten Hersteller von Surimi sind, ist der größte europäische Markt inzwischen Frankreich geworden.

Neben bereits besagten Crab-Sticks, welche oft auch ihre Verwendung in Sushi finden, werden gerne auch Krustentierscheren oder Garnelen nachgeahmt. Hierbei muss in Deutschland eine klare Kennzeichnung stattfinden, wenn es sich eben nicht um echte Meeresfrüchte, sondern um Surimi-Imitate handelt. Konkret lautet die korrekte Bezeichnung beispielsweise „Surimi, Garnelen-Imitat aus Fischmuskeleiweiß geformt“. „Surimi-Krebsfleisch“ hingegen würde als Bezeichnung nicht reichen.

Hier ist ein Beispiel für Surimi, das in Form und Farbe Hummerscheren nachahmt. Credit: Gettyimages/ Crezalyn Nerona Uratsuji

Auch in einem als „Frutti di Mare“ bezeichneten Lebensmittel darf sich übrigens kein Surimi-Produkt verstecken, weil es eben keine Meeresfrucht, sondern ein Fischerzeugnis ist.

Wie wird Surimi hergestellt?

Anders als viele vermuten besteht Surimi keineswegs aus Fischabfällen. Stattdessen wird in der Regel Fischfilet vom Alaska-Seelachs verwendet. Dafür werden die Fische gefangen, filetiert und zu einer Püree-Masse verarbeitet. Dieser Brei wird dann mit Polyphosphaten und Zucker versetzt und tiefgefroren.

Surimi besteht also zum größten Teil aus reinem Fischeiweiß und schmeckt relativ neutral. Je nachdem, was anschließend daraus gemacht werden soll, werden nach dem Auftauen weitere Stoffe hinzugefügt. Hierzu zählen beispielsweise Stärke, Salz, Hühnereiweiß, Aromen, Gewürze und Farbstoffe – so wird aus der neutralen Masse das bekannte Meeresfrüchte-Imitat.

Vor- und Nachteile von Surimi

Auf den ersten Blick scheint Surimi viele Vorteile zu haben, ist es doch günstiger als Meeresfrüchte, ohne den starken Eigengeschmack der Krustentiere zu haben, der eh vielen zu streng ist. Zudem enthält Surimi kaum Fett und ist eine hervorragende Eiweißquelle. Selbst einige essenzielle Aminosäuren und gar Spurenelemente wie Selen sind in Surimi zu finden.

Es gibt aber auch einige Punkte, die gegen Surimi sprechen. Wie bereits erwähnt finden oft Zusatzstoffe in Form von Farbstoffen oder eben die angesprochenen Polyphosphate ihren Weg in das Seafood-Imitat.

Auch die ökologische Bilanz von Surimi fällt relativ schlecht aus. Alaska-Seelachs als Hauptbestandteil wird hauptsächlich im nördlichen Pazifik gefangen und muss dementsprechend lange Strecken zurücklegen, bis er auf unserem Teller landet. Davon abgesehen sind die Bestände von Alaska-Seelachs häufig bedroht. Und auch wenn sich einige Bestände inzwischen wieder erholt haben, wirst du auf deiner Packung nicht nachlesen können, wo der verwendete Fisch denn nun genau herkommt. Denn bisher müssen weder das Fanggebiet noch die verwendete Fischsorte genau deklariert werden.


Wir möchten hier niemandem verbieten, Surimi zu essen. Es soll nur darauf hingewiesen werden, dass man sich eben damit auseinandersetzen sollte, was man denn nun genau isst. Es ist auch ziemlich leicht, im Internet rauszufinden, welche Fischbestände nicht bedroht sind und frisch gefangener Fisch und Meeresfrüchte schmecken den meisten Foodies dann eben doch um einiges besser. Auch zum Thema Eiweißquellen haben wir übrigens in unserem Ratgeber viele Tipps parat, die auch für Veganer*innen geeignet sind. Schau doch mal rein!