Ein berühmter Satz von Karl Lagerfeld lautete einst: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Einen genauso schlechten Ruf wie die bequeme Schlabberhose in der Mode genießt unter Gourmets etwas, das ähnlich bequem im Küchenalltag integrierbar ist: die Konservendose.

Doch Essen aus der Büchse ist nicht gleich Essen aus der Büchse. Wer direkt an Ravioli denkt, bekommt sicher keinen Heißhunger auf Dosenfutter. Die Konservendose hat jedoch eine über 200-jährige Tradition, denn man nutzte sie immer schon gerne – wie der Name bereits sagt – als Konservierungsmethode für Lebensmittel. Der britische Geschäftsmann Peter Durand erhielt am 25. August 1810 das Patent für die Konserve. Genau deshalb findet in Anlehnung daran zu diesem Datum der Tag der Konservendose statt.

Inga Pfannebecker hat sich in den vergangenen Jahren eingehend mit der Thematik beschäftigt. Die Food-Journalistin, die in Amsterdam lebt, hat der Konserve sogar ein ganzes Buch gewidmet. In „Das große Dosenkochbuch“ zeigt sie über 70 Rezepte aus der Vorratskammer. EAT CLUB hat mit ihr über ihr ultimatives Dosengericht, die Vorteile einer kurzen Zutatenliste und die Frage, warum sie keine Erbsen aus der Dose isst, gesprochen.

EAT CLUB: Sie haben sich in Ihrem Kochbuch der Konservendose gewidmet. Wie kam es dazu?

Inga Pfannebecker: Die Konservendose hat unter Leuten, die gerne kochen und das Essen genießen, meist einen schlechten Ruf. Ich finde, dass dieses Vorurteil zu Unrecht herrscht. Es gibt tolle Produkte in der Dose. Zum Beispiel Tomaten, die vor allem im Winter in Sachen Qualität und Geschmack besser sind als Tomaten aus dem Gewächshaus oder von weit her. Außerdem ist es praktisch, weil man die Dosen lange lagern kann und nach Feierabend, wenn man wenig Zeit oder Lust zum Einkaufen hat, noch schnell etwas Leckeres zaubern kann. All das wollte ich mit diesem Buch zeigen.

Die Konservendose hat eine lange Tradition in der Gesellschaft. Wie hat sich diese über die Jahre entwickelt?

Die Konserve war eine der ersten Möglichkeiten, um industriell Lebensmittel haltbar zu machen. Früher haben die Leute auch oft selbst zu Hause Sachen in Konservendosen eingemacht. Sie haben beispielsweise Gulasch oder Rouladen in größeren Mengen gekocht und dann eingemacht. Man konnte Nahrungsmittel so ungekühlt lange haltbar machen. Auch heute schätzen viele Menschen diese Form der Aufbewahrung noch. Deswegen hat fast jeder zumindest zwei bis drei Konservendosen im Vorratsschrank stehen.

Kochbuch-Autorin Inga Pfannebecker
Kochbuchautorin Inga Pfannebecker hat „Das große Dosenkochbuch“ geschrieben. Credit: Privat

Gibt es über das lange Mindesthaltbarkeitsdatum und den Pragmatismus hinaus weitere Vorteile, warum man öfter beherzt zur Dose greifen sollte?

Das kommt auf das Produkt an. Bei Hülsenfrüchten beispielsweise ist es eine enorme Zeitersparnis, wenn man sie in der Dose kauft, statt sie selbst einzuweichen und lange zu garen. Bei Tomaten ist es so: Das Lycopin, der rote Farbstoff in den Tomaten, ist sogar besser verfügbar, wenn die Tomaten über längere Zeit gekocht sind. Da hat die Dosentomate sogar einen Vorteil gegenüber der frischen Tomate.

Die Dosentomate hat gegenüber der frischen Tomate einen Vorteil.

Inga Pfannebecker

Wie sieht es denn mit dem gesundheitlichen Wert von Lebensmitteln aus der Dose aus?

Die Zutatenliste sollte so kurz wie möglich sein, damit das Produkt empfehlenswert ist. Wenn es Fertiggerichte mit vielen Aromen sind, würde ich davon abraten. Bei Produkten wie Tomaten, Hülsenfrüchten oder Sardinen kann man gesundheitlich dagegen nicht viel falsch machen. Bei Gemüse ist der Vitamin C-Gehalt oft geringer als in frischer Ware, weil man den Doseninhalt in der Regel nochmal aufwärmt. Dadurch gehen einige Vitamine verloren. Mineralstoffe bleiben aber in jedem Fall vollständig erhalten. Sie gehen oft in die Einlageflüssigkeit über, die man daher am besten mitverwendet, wenn es im Rezept passt.

Buchcover: "Das große Dosenkochbuch"
Buchcover: „Das große Dosenkochbuch“ Credit: EMF/ Klara & Ida

Welche Gerichte lassen sich mit Lebensmitteln aus der Dose besonders verfeinern?

Ich setze Dosen gerne für Pastasoßen oder Salate ein. Eine Dose Kichererbsen, frisches Gemüse, ein paar Kräuter und dazu ein Dressing: So hat man einen schnellen Sattmacher-Salat auf dem Tisch. Obst in der Dose ist praktisch, um Desserts wie Pfannkuchen zu verfeinern.

Welche fünf Dosen sollte man immer in der Vorratskammer haben?

Tomaten, Kichererbsen, Sardinen, Aprikosen, Mais.

Erbsen aus der Dose würde ich nicht empfehlen.

Inga Pfannebecker

Was würden Sie nicht aus der Dose essen?

Fertiggerichte wie Ravioli, in denen viele Aromen enthalten sind. Die kriegt man besser und fast genau so schnell frisch hin, wenn man Ravioli aus dem Kühlregal nimmt und dazu eine Tomatensoße aus Dosentomaten kocht. Erbsen aus der Dose würde ich auch eher nicht empfehlen. Mir persönlich ist die Konsistenz zu weich und zu mehlig. Hier greife ich lieber zum Tiefkühlprodukt, das mehr Biss hat.

Welches ist Ihr ultimatives Dosengericht?

Ein Kichererbsen-Curry mit Kichererbsen aus der Dose, Kokosmilch aus der Dose – und dazu frisches Gemüse, was man gerade im Kühlschrank hat. Dazu noch Reis oder Fladenbrot, und man hat ein ziemlich unkompliziertes Gericht, für das man nicht viel einkaufen muss.

Tag der Konservendose: Rezept für Kichererbsen-Curry

Zutaten für 2 Portionen

1 Dose Kichererbsen (Abtropfgewicht 260 g)
250 g Möhren
3 Frühlingszwiebeln
300 g Hähnchenbrustfilet
1 EL Olivenöl
Salz
1–2 TL Currypulver
½ TL Chilipulver
1 kleine Dose Kokosmilch (Füllgewicht 200 ml)
1 TL Senf
1–2 EL Limettensaft

Zubereitungszeit: 25 Minuten

Zubereitung

Die Kichererbsen abgießen. Die Flüssigkeit dabei auffangen und je nach Menge 125 ml abmessen beziehungsweise mit Wasser auf 125 ml auffüllen. Die Möhren waschen, putzen, längs vierteln und jeweils quer halbieren, sodass schmale Stifte entstehen. Die Frühlingszwiebeln putzen und waschen. Den weißen Teil in kleine Würfel, den grünen Teil schräg in schmale Röllchen schneiden. Die Hähnchenbrustfilets trocken tupfen und in Würfel schneiden.

Das Öl in einem Topf erhitzen. Die Hähnchenbrustfilets darin unter Wenden circa 3 Minuten anbraten. Die Möhren zugeben und alles weitere 5 Minuten unter Wenden anbraten. Das Frühlingszwiebelweiß zugeben und kurz mitbraten. Mit Salz, Curry und Chilipulver würzen. Die Kichererbsen untermischen. Die Flüssigkeit und die Kokosmilch zugießen, aufkochen und bei mittlerer Hitze zugedeckt circa 10 Minuten köcheln lassen.

Den Senf einrühren und das Curry mit Salz, eventuell noch mit etwas Currypulver und Limettensaft abschmecken. Das Curry mit dem Frühlingszwiebelgrün bestreut servieren. Dazu schmeckt Reis oder indisches Fladenbrot.

Hähnchen-Kichererbsen-Curry serviert in einem weißen Teller. Im Hintergrund steht eine Dose Kichererbsen.
Die Kichererbsen und die Kokosmilch für dieses Curry kommen aus der Dose. Credit: EMF/ Klara & Ida

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