Tagebücher von anderen soll man ja eigentlich nicht lesen. Aber im Reisetagebuch von Zuza Zak ist Schmökern ausdrücklich erwünscht! Die Autorin erzählt nämlich in ihrem Kochbuch „Baltikum“ von ihrer Tour in die drei Länder Lettland, Estland und Litauen. Und bringt Ideen für Rezepte von der Reise mit zurück, die Lust machen, die Ostsee-Anrainer zu erkunden.

„Baltikum“ erzählt kulinarische Geschichten von der Ostsee

Als die Polin Zuza Zak von ihren baltischen Wurzeln erfuhr, wusste sie sofort, dass sie in das Ländertrio an der Ostsee reisen und Menschen und Kultur kennenlernen wollte. Ihre Sommer verbrachte sie als Kind häufig an der polnischen Ostseeküste, jetzt war es an der Zeit, noch weitere Länder an diesem Binnenmeer zu erkunden.

Wer wie ich als Mecklenburgerin selbst aus einem Land an der Ostsee kommt, fühlt sich bei den Erzählungen Zaks sofort wieder an die eigene Kindheit erinnert. An die Sonnenstrahlen, die auf der Haut kitzeln, an die sanften Wellen, die die Füße umspülen, und an den warmen Sand, der durch die Picknickdecke zu spüren ist. Wer jedoch bisher nie in den Genuss eines Sommertages an der Ostseeküste gekommen ist, der bekommt beim Durchblättern durch „Baltikum“ mit Sicherheit große Lust darauf. Nicht nur die Erzählungen Zaks über Gespräche mit lokalen Landwirt*innen und Einladungen in heimische Küchen wecken das Fernweh. Auch die Urlaubsfotos Zaks und ihres Mannes rücken das Baltikum auf die Liste mit neuen Lieblingsdestinationen. Da sieht man bunte Fassaden, die in goldenes Abendlicht getaucht sind, weite Roggenfelder und Wälder in sattem Grün.

Als ich die baltischen Länder erkundete, habe ich ein Wunderland goldener Küsten, schattiger Wälder, freundlicher Ziegen und Bauernhausküchen entdeckt, wo ich immer herzlich empfangen und gut bewirtet wurde.

Zuza Zak

Und man sieht natürlich die Speisen, zu deren Rezepten Zuza Zak durch ihre Reise inspiriert wurde. Sie erzählen von der Geschichte der Länder, die sich seit ihrem Beitritt zur Europäischen Union 2004 mehr und mehr öffneten für internationale Einflüsse, die auch vor der traditionellen Küche nicht halt machten. Zak selbst spricht von der „neuen Welle“, wenn sie von der Küche des Baltikums erzählt. Trends treffen auf Tradition, Moderne auf Bewährtes, neue Zutaten auf regionale Spezialitäten. So entstand eine individuelle Esskultur, die zu erkunden dank „Baltikum“ auch von zu Hause aus möglich ist. Die Autorin beschreibt es so: „Die Küchen des Baltikum haben in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt und einen modernen und aufregenden Kochstil hervorgebracht. Von manchen als ’neuer Norden‘ bezeichnet, liegen sie meiner Meinung nach irgendwo zwischen dem slawischen Osteuropa und Skandinavien, mit ihrem einzigartigen baltischen Geist, der sie fest in Zeit und Ort verankert.“

Diesen Geist einzufangen, ist Zak mit ihrem Kochbuch „Baltikum“ und des darin stimmigen Zusammenspiels von authentischen Bildern und Rezepten mehr als gelungen.

Es ist eine Sache, eine schön zubereitete Mahlzeit in einem Restaurant zu essen, aber eine ganz andere, im Haus eines anderen Menschen zu sein, Geschichten auszutauschen und die Wärme und Gastfreundschaft zu spüren.

Zuza Zak

Rezept für sommerliche Heidelbeersuppe

Zutaten für 4 Personen

  • 400 g Heidelbeeren
  • 1 Vanilleschote, längs aufgeschnitten
  • 3 EL feiner Zucker
  • 1 EL Speisestärke
  • steif geschlagene Sahne zum Servieren
  • zerkleinerte Minzeblätter zum Servieren
  • essbare Blüten (z. B. Kornblumenblüten) zum Servieren

Zubereitung

Ein paar Beeren zum Dekorieren beiseitelegen, die anderen mit Vanilleschote, Zucker und 1 l Wasser in einen großen Topf geben. Zum Kochen bringen, die Temperatur reduzieren und 15 Minuten köcheln lassen, bis die Beeren weich sind.

Die Speisestärke in einer kleinen Schale mit 100 ml Wasser anrühren. In den Topf geben und ständig rühren, bis die Suppe eindickt. Vom Herd nehmen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Dann für mindestens 30 Minuten oder bis zu 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Die Suppe auf Teller verteilen, Sahne und die restlichen Beeren daraufgeben und mit Minzeblättern und essbaren Blüten bestreuen.


Du hast Lust auf die baltische Küche bekommen? Wir haben noch etwas mehr im „Baltikum“ gestöbert und folgende Ideen für dich herausgesucht: ein leuchtend rotes Frühlings-Risotto, gefrorenen Fisch mit eingelegten Radieschen und einen Krebs-Salat.

Zuza Zak: „Baltikum. Rezepte und Geschichten aus Estland, Lettland und Litauen“, ars vivendi, 30,90 Euro.

Das Buchcover zum Kochbuch Baltikum von Zuza Zak.
Buchcover „Baltikum“ © ars vivendi

Immer wieder montags bekommst du von uns ein druckfrisches Kochbuch der Woche serviert. Neben dem Baltikum sind wir neulich dank „80 mediterrane Klassiker, die du gekocht haben musst“ ans Mittelmeer gereist. On the road waren wir mit „Vegan im Van“ auch schon unterwegs.

Noch mehr Kochbücher der Woche: