Als Lorena und ich uns am Bildschirm begrüßen, glaube ich fast, das Meer im Hintergrund rauschen zu hören. Während ich am Schreibtisch hocke und vor meinem Fenster das Berliner Schmuddelwetter sein Unwesen treibt, sitzt Lorena in ihrem VW Bulli auf Mallorca. Die Bloggerin fährt mit dem Van schon seit Monaten durch Europa –Hund Gizmo, der sich während unseres Gesprächs immer mal wieder durch ein Bellen bemerkbar macht, stets an ihrer Seite.

Die beiden haben eins gemeinsam: die vegane Ernährung. Schon seit drei Jahren isst Lorena tierfrei und verfüttert auch an ihren Vierbeiner nur Pflanzliches. Von den selbst gekochten Kreationen der studierten Wirtschaftspsychologin kann man sich nicht nur auf Instagram überzeugen. Vor kurzem brachte sie nämlich ihr erstes Kochbuch heraus: Vegan im Van. Ich habe mit Lorena über ihre Inspiration fürs Kochen, das Leben im Van und das Melken von Palmen gesprochen. Ein Rezept der Autorin gibt’s obendrauf.

Vegan im Van: Autorin und Vanlifern Lorena im Interview

EAT CLUB: Wieso hast du beschlossen, dich vegan zu ernähren?

Lorena: Ich habe mich vorher schon vegetarisch ernährt und plötzlich eine Hausstauballergie und allergisches Asthma bekommen. Eine Heilpraktikerin hat mir empfohlen, einfach mal Zucker wegzulassen und auch tierische Produkte wie Milch. Weil es mir dann so schnell wieder besser ging und ich gemerkt habe, was für einen Einfluss das auf meine Gesundheit hat, habe ich mir gedacht: „Okay, dann bleib ich jetzt einfach dabei.“ (lacht)

Von diesem Moment an habe ich mich mit dem Thema mehr auseinander gesetzt. Moralische und umwelttechnische Gründe machten mir klar, dass es für mich die einzig vertretbare Form ist, sich zu ernähren und zu leben. Das hat dann irgendwie alles ineinander gegriffen.

Was ist die größere Herausforderung für dich: vegan zu kochen oder im Van zu kochen?

Es geht darum, zu sehen, was man hat, anstatt was man nicht hat. Wenn ich ganz viele Sachen weg- und loslasse, eröffnen sich auch wieder andere Dinge. Klar kann man sagen vegan oder Van bedeutet Einschränkung. In dem Überfluss, in dem wir leben, tut so eine Einschränkung vielleicht aber ganz gut. Weil man etwa im Supermarkt nicht auch noch die ganzen Milchregale abgeht, sondern direkt zum Gemüse. Man kann den Fokus also ganz anders ausrichten.

„Zuhause hat man fünf Töpfe und benutzt am Ende sowieso immer nur den gleichen.“

Lorena Palombo

So ist es im Van auch. Ich habe eine Pfanne und einen Topf. Ich würde trotzdem nicht sagen, dass ich ausstattungstechnisch so viel schlechter dran bin. Zuhause hat man fünf Töpfe und am Ende verwendet man sowieso immer den gleichen. Ich habe herausgefunden, was wirklich wichtig ist für mich. Ich habe beispielsweise einen Mixer, den ich ganz oft verwende, um Aufstriche zu machen. Der hat im Van eine ganz andere Bedeutung bekommen als zu Hause, weil ich Dinge selbst machen kann, die ich sonst vielleicht gekauft hätte. Ich würde das nicht als Einschränkung sehen, sondern als Möglichkeit, das Potential in Produkten zu sehen. Egal ob Lebensmittel oder Utensilien.

Die Küche von Vegan im Van Autorin Lorena. Auf dem Herd stehen zwei Pfannen, darüber hängen Töpfe mit Kräutern.
Ein Blick in Lorenas Vanküche: Trotz kleinstem Raum fehlt es an nichts, sogar an frischen Kräutern Kräutern kann sie sich bedienen. Credit: Lorena Palombo

Kannst du dich in einer normalen Küche genauso austoben wie im Van?

(lacht) Ich mag das schon auch mal ganz gern, zum Beispiel einen richtigen Ofen zu haben. Aber ich bin auch schnell ein bisschen überfordert. Dann habe ich so viele Möglichkeiten und es herrscht wieder Überfluss. Im Van hat man mitunter nur eine Handvoll Lebensmittel und versucht aus dem, was man hat, das Beste rauszuholen. Wenn ich aber eine ganze Palette an Sachen habe, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Gibt es trotzdem Zutaten, die du immer auf Vorrat hast?

Ich hab immer einen Vorrat an trockenen Lebensmitteln wie Reis, Quinoa, Haferflocken, sowie Oliven- oder Kokosöl. Dann natürlich Kräuter und Gewürze. Nussmus habe ich immer da.

„Wann sind wir wirklich mal an einem Punkt, an dem wir keine Vorräte mehr haben?“

Lorena Palombo

Ich bin da aber auch entspannter geworden und hab mich von dem Überfluss gepaart mit Gedanken wie „Man sollte das immer da haben“ verabschiedet. Wann sind wir wirklich mal an einem Punkt, an dem wir keine Vorräte mehr haben? Man hat doch immer irgendwo noch eine Packung Reis oder Nudeln. Ich glaube, das ist die Kunst: zu sehen, was man da jetzt noch rausholen kann, anstatt zu denken, was muss ich jetzt noch dafür einkaufen.

Man gewöhnt sich sicher mit der Zeit auch an diese Art zu leben.

Das stimmt. In meinem Kochbuch gibt es ein Rezept, Blumenkohl in Sesampanade. Zu Hause hab ich das immer mit Paniermehl gemacht, hatte aber im Van keins mehr da. Darum habe ich es einfach mit Sesam probiert und das schmeckt eigentlich sogar noch viel besser!

Hast du dich für „Vegan im Van“ auch von den Ländern und Menschen auf deiner Reise inspirieren lassen?

Ein Foto aus Vegan im Van, auf dem ein kleiner gedeckter Tisch an einer Klippe zu sehen ist, daneben liegt Hund Gizmo.
Dinner with a view: Lorena speist auf ihrer Reise nicht immer nur vegan im Van, sondern oft auch davor. Und genießt dabei atemberaubende Ausblicke. Credit: Lorena Palombo

Das kommt drauf an. Auf einer Farm hab ich zum Beispiel gelernt, was es bedeutet, Lebensmittel komplett zu verwenden. Und dann hat man auch nur saisonale Sachen, nicht so eine Überflutung. Oft passen die ja auch super zusammen: Orangen und Kohl im Winter, das harmoniert ganz automatisch. Dann gehe ich oft auf Märkten einkaufen. Ich finde es spannend zu sehen, was Leute anbauen und verkaufen. Ich versuche aber immer, nicht zu viele Dinge einzukaufen, dafür aber gute Qualität. Wenn’s im Van warm wird, sollte man nicht zu viel auf Vorrat haben. (lacht)

Zur Olivenernte hab ich auch Farmen besucht und gelernt, wie Oliven geerntet und eingelegt werden. Wenn man die Sachen dann im Van verarbeitet, ist das dann was ganz Besonderes.

Weil ich beim Reisen so nah im Kontakt mit der Natur lebe, da sich vieles draußen abspielt, bin ich feinfühliger dafür geworden, was mir in dem Moment gut tut. Wenn’s richtig kalt ist, koche ich mir eine Suppe. Das Süßkartoffel-Paprika-Gulasch aus meinem Kochbuch habe ich zum Beispiel in den Bergen beim Wandern gekocht.

Die Fotos aus dem Kochbuch stammen alle von Lorenas Reisen. Sie hat die Gerichte am Strand, im Wald oder in den Bergen mit der Kamera festgehalten, jetzt bebildern die Fotografien die Rezepte im Buch. Authentischer und vor allem individueller geht es kaum.

Ich gebe ja auch Workshops aus dem Van. Die Leute sind dann zu Hause in ihrer Küche und sehen mich hier auf kleinstem Raum, wie ich im Sitzen Gemüse schnippele. Das macht es ein bisschen greifbarer. Es ist nicht komplizierter, nur weil es vegan ist.

Sind bei den Koch-Workshops mehr Veganer:innen oder mehr Vanlifer:innen dabei?

Es sind immer mal wieder ein paar aus dem Van dabei, aber der Großteil kocht von zu Hause aus. Dann gibt es Leute, die wollen Vegan einfach mal ausprobieren. Ich glaube, beim letzten Kochkurs waren drei Frauen dabei, die haben sich nicht vegan ernährt. Insgesamt sind’s aber mehr Veganer:innen als Vanlifer:innen.

Welches ist dein Lieblingsrezept aus dem Kochbuch?

Das ist schwierig, weil ich so selten Dinge mehrmals koche. Fürs Frühstück finde ich Müsli in der Pfanne super. Auf La Gomera haben wir neben den Palmhonig-Brüdern gewohnt. Die melken Dattelpalmen, der Saft heißt Guarapo, und wenn man den einkocht, wird das zähflüssiger Palmenhonig. Verwendet man Guarapo zum Karamellisieren, halten Nüsse, Samen und Haferflocken richtig gut zusammen. Das wird richtig crispy, obwohl man es einfach in der Pfanne macht. Ich habe aber sonst kein Lieblingsessen, weil ich einfach so vieles gerne esse. (lacht)

Oft sieht man Vanlifer:innen ja immer wieder das Gleiche kochen, Stichwort Feta-Pasta.

Oder Curry! Es gibt doch aber noch 1.000 andere Sachen.

Wie würdest du dein Kochbuch beschreiben?

„Back to the roots.“ Lebensmittel, die wir schon lange nutzen, ein bisschen neu erfinden. Ich habe versucht, das Beste aus ihnen rauszuholen, sodass die Lebensmittel gut zum Vorschein kommen. Wenn man alleine ist, denkt man häufig, man muss sich nichts Tolles kochen. Aber in erster Linie sollte man es gerade für sich selbst tun und erst dann für andere. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen, die Lebensmittel wahrzunehmen. Wenn ich koche und Energie investiere, schmeckt man das am Ende auch.

„Teller sind für mich wie ein leeres Blatt Papier, das ich mit Lebensmitteln bemale.“

Lorena Palombo

Ich selbst koche sehr intuitiv. Ich fange einfach an zu schnippeln und gucke, was entsteht. Zwar weiß ich eine grobe Richtung, aber dann kommt das noch dazu oder ich nehme etwas wieder weg.

Bedeutet Kochen für dich also Kreativität?

Ja, genauso wie das Anrichten. Teller sind für mich wie ein leeres Blatt Papier, das ich mit Lebensmitteln bemalen kann. (lacht) Ich kann mich darin richtig verlieren. Während andere sagen, ihr Essen schmeckt gut, aber fürs Anrichten haben sie nicht so das Händchen. Aber wenn man sich dafür Zeit lässt, dann sind es manchmal nur ein paar Kleinigkeiten, die das Ganze rund und schön machen.

Die Autorin von Vegan im Van, Lorena, steht mit einem Brett vor ihrem Van, darauf steht ein gekochtes Essen mit frischen Kräutern. Im Hintergrund sieht man das Meer.
Das Leben spielt sich bei Vanliferin Lorena oft draußen ab. Credit: Lorena Palombo

Vom Ausflug nach Mallorca reisen wir jetzt wieder zurück zum deutschen Herbst. Passend dazu hat Lorena ein Rezept aus „Vegan im Van“ mit uns geteilt, das wir dir hier zeigen.

Rezept für Maronen-Spaghetti mit getrockneten Tomaten

Zutaten für 2 Personen

  • 3 Handvoll Maronen
  • 200 g Nudeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 100 g getrocknete, eingelegte Tomaten
  • 1 EL Oregano
  • 2 Prisen Salz
  • 1 Prise Chilipulver
  • 2 TL Tomatenmark
  • 70 ml Sojasahne
  • Frischer Basilikum

Zubereitung

Zu Beginn die Schale der Maronen einritzen und eine halbe Stunde im Wasser einweichen. Dann 15 Minuten in einer Pfanne rösten. Die Maronen schälen und in kleine Stücke schneiden. Optional bereits gekochte Maronen verwenden.

Die Nudeln nach Packungsaufschrift kochen.

In der Zwischenzeit den Knoblauch kleinschneiden und in 2 EL Öl der eingelegten Tomaten anbraten. Die Maronen und die getrockneten Tomaten sowie wei-tere 2 EL Öl hinzugeben. Die Pasta unterheben und mit Oregano, Salz und Chilipulver abschmecken. Das Tomatenmark sowie die Sojasahne mit zu den Nudeln geben.

Mit frischem Basilikum servieren.

Lorena Palombo: „Vegan im Van“, Ventil Verlag, 18 Euro.

Das Buchcover von "Vegan im Van", auf dem Autorin Lorena auf einer Decke vor ihrem Van sitzt und einen Teller inder Hand hält.
Buchcover: „Vegan im Van“ Credit: Lorena Palombo

Jeden Montag bekommst du von uns ein neues Kochbuch der Woche serviert. In den vergangenen Wochen drehte es sich bei „Vegan Cakeporn“ beispielsweise um vegane, süße Sünden. Wenn du mehr über die tierfreie Ernährung erfahren möchtest, kannst du dich hier auf EAT CLUB noch ein bisschen weiter umsehen. Wir haben erst vor kurzem zum Beispiel mit der Leiterin vom Veganuary Deutschland gesprochen. Lies doch mal rein!