Sicherlich ist dir beim Kauf von Fleisch auch schon mal die Kennzeichnung der Haltungsformen auf den Verpackungen aufgefallen. Obwohl der Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, lag der pro Kopf Verbrauch von Fleischprodukten im Jahr 2021 noch immer bei 55 kg. Zum Vergleich: Im Jahr 1991, also 30 Jahre vorher, lag dieser noch bei rund 64 kg. Trotz des noch immer hohen Fleischkonsums wird Tierschutz und Tierwohl aber für die meisten Verbraucher*innen immer wichtiger. Bereits 2018 startete Lidl mit einem sogenannten „Haltungskompass“, der vorsah, verschiedene Stufen von Haltungsformen zu kennzeichnen. Viele weitere Supermarktketten zogen nach, es entstanden viele verschiedene Kennzeichnungssysteme, die die Verbraucher*innen aber schlichtweg verwirrten. 2019 wurde sich dann auf eine einheitliche Haltungsformkennzeichnung geeinigt, die heute auf immer mehr Fleisch- und Tierprodukten zu sehen ist. Was diese Haltungsformen auf Fleischprodukten im Einzelnen bedeuten, was sie aussagen, aber eben auch nicht aussagen, habe ich heute für dich zusammengefasst.

Haltungsformen beim Fleisch: Was bedeuten sie im Einzelnen?

Insgesamt gibt es vier Stufen. Diese gehen von Stallhaltung und StallhaltungPlus über Außenklima und Premium. Mit den Stufen wird Fleisch von Puten, Schweinen, Rindern, Pekingenten und Hühnern gekennzeichnet. Diese werden aber nur auf die Verpackungen von Produkten aus den Selbstbedienungstheken gedruckt. Auf Fertigprodukten und Konserven findet man bislang keine eindeutige Kennzeichnung. Im Folgenden findest du nun eine Zusammenfassung über die verschiedenen Stufen der Haltungsformen auf Fleisch.

Haltungsform 1 „Stallhaltung“

Bei dieser Haltungsform stammt das Fleisch aus Tierhaltungen, die gerade so den gesetzlichen Standards entsprechen. Die Produzenten sind verpflichtet, an verschiedenen Qualitätssicherungsprogrammen teilzunehmen. Außerdem gibt es Vorgaben für bestimmte Beschäftigungsmaterialien.

Haltungsform 2 „StallhaltungPlus“

Diese Haltungsform ähnelt stark der Stufe 1, nur, dass die Tiere hier etwas mehr Platz im Stall haben. Dies gilt allerdings nicht für Milchkühe und Pekingenten. Außerdem haben die Tiere zusätzliches Beschäftigungsmaterial wie Seile, Wühlbereiche oder Futterautomaten. Bei dieser Haltungsform müssen Enten unter Tageslicht leben und Kühe dürfen nicht angebunden sein.

Haltungsform 3 „Außenklima“

Diese Haltungsform beschreibt Fleisch, welches von Tieren stammt, die Kontakt mit dem Außenklima haben. Dies passiert entweder durch eine offene Stallseite oder einen Außenbereich am Stall. Tatsächlich bedeutet „Kontakt zum Außenklima“ aber konkret, dass ein geöffnetes Fenster im Stall auch schon ausreicht, um Fleisch in dieser Kategorie zu kennzeichnen. Es ist also nicht so, als könnten die Tiere an der frischen Luft herumlaufen und sich austoben. Die Initiative Tierwohl äußert sich kritisch zu dieser Haltungsform und bemerkt, dass es sich nicht um Freilandhaltung handele und viele Verbraucher*innen die Stufe durch die Bezeichnung aber als eine solche verstehen.

Haltungsform 4 „Premium“

Diese Haltungsform könnte schon eher als eine Freilandhaltung bezeichnet werden. Hierbei haben die Tiere nämlich tatsächlich die Möglichkeit, im Freien herumzulaufen. Sie haben hier den meisten Platz im Stall und das Futter ist frei von Gentechnik. Dementsprechend ist hier auch Biofleisch zu finden. Diese Haltungsform ist die, die natürlich am teuersten, aber leider auch am seltensten in Supermärkten auffindbar ist.


Diese vier Stufen kennzeichnen also die Haltungsformen auf Fleisch- und Tierprodukten. Natürlich ist der Ansatz erst mal der Richtige, finden viele Verbraucherschützer*innen. Trotzdem gibt es auch Kritik, die Kriterien würden einfach nicht weit genug gehen. Es werden beispielsweise keine Angaben zur Gesundheit, zum Transport oder zur Schlachtung der Tiere gemacht. Auch ob es den Tieren in den höheren Stufen wirklich gut gegangen ist, bleibt unklar.

Die Verbraucherzentralen fordern, dass eine staatliche Tierwohlkennzeichnung eingeführt wird. Diese soll verbindlicher sein, als einzelne Initiativen der Wirtschaft und die Kennzeichnung sollte über die reine Haltung hinaus gehen. Stattdessen sollten die gesamten Prozesse von der Haltung der Elterntiere bis hin zur Schlachtung stärker in den Blick genommen werden.

Wenn du dich jetzt fragst, was du als Privatperson tun kannst, um die Bedingungen zu verbessern, raten wir dir: Iss weniger Fleisch und wenn du Fleisch kaufst, kaufe es regional. Beim Bauernhof in der Region kannst du dir sicherer sein, dass die Tiere ein schöneres Leben hatten, als bei dem Massenangebot im Supermarkt. Außerdem gibt es mittlerweile wirklich viele gute Ersatzprodukte, die sowohl für eine vegetarische als auch für eine vegane Ernährung geeignet sind. Ein gutes Beispiel dafür sind die Produkte der Rügenwalder Mühle. Die verkauften dieses Jahr erstmals mehr vegetarische Produkte als Fleisch.

Du kannst natürlich auch selbst kreativ werden und Wurst und Fleisch einfach mit Gemüse, Obst oder Hülsenfrüchten ersetzen. So kann ich dir die Carrot Dogs und den veganen Nussbraten ganz besonders ans Herz legen.

Du interessierst dich für die Themen des Vegetarismus und Veganismus? Schau doch mal bei folgenden Beiträgen vorbei, da kannst du bestimmt noch etwas lernen.