Echte Allesesser, kein Abfall, neue Produkte und Technologien, und das alles unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit – die Food Trends 2022 zeigen: Genuss geht bewusst. Wie jedes Jahr hat Hanni Rützler erneut Strömungen beobachtet und daraus Schlüsse für kommende Trends aus dem kulinarischen Bereich gezogen.

Diese spiegeln nicht nur den privaten Umgang mit Lebensmitteln wider, sondern liefern auch Hinweise für Gastronomie, Industrie und Handel. Rützler beschreibt die Trends zum einen als „Störfaktoren für das Business as usual“, sieht sie aber auch als „strategische Orientierungshilfen für Unternehmen“. So können die Faktoren, die die Zukunftsforscherin definiert hat, Gastronomie und Co. zeigen, welche Trends passend zur eigenen Unternehmensphilosophie zukünftig eine Rolle spielen könnten. Dabei gewinnen drei Faktoren besonders an Bedeutung.

Übermäßiger Konsum und Abfall sowie daraus resultierende Produktionsabläufe haben enorme Folgen für Umwelt und Klima. Die Zero-Waste-Vision möchte dem entgegenwirken. Bereits im letzten Jahr stand für mehr und mehr Menschen ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln im Vordergrund. Sei es beim Einkauf auf dem Wochenmarkt, durch die Hilfe von Apps, die gegen Lebensmittelverschwendung helfen oder eine ganzheitliche Verwertung von Produkten. Nachhaltiger Konsum spielt laut Rützler auch weiterhin eine Rolle.

Die „Cradle to Cradle“-Philosophie ist ein Beispiel dafür. Sie beschreibt einen Kreislauf in Produktion und Konsum, der ohne Abfall auskommt. Beispielsweise können Verpackungen recycelt oder zurück zur Natur geführt werden. Genau diese ist Vorbild für die Vision, weil biologische Kreisläufe keinen Müll hinterlassen. Anders in der modernen Gesellschaft, in der zur Herstellung von Produkten wie Lebensmitteln und Verpackungen stets neue Ressourcen herhalten müssen. Diese aber sind auf der Erde nur begrenzt verfügbar.

Nach dem Prinzip „von der Wiege in die Wiege“, was Cradle to Cradle übersetzt bedeutet, sollen organische Bestandteile von Produkten kompostiert und andere so gedacht werden, dass sie auch nach ihrer Nutzung noch als Gebrauchsgegenstand funktionieren können.

Ein weiterer Treiber der Zero-Waste-Bewegung sind sogenannte Sharing-Angebote. Hier gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten, zu partizipieren. Über Apps können Privatpersonen etwa Lebensmittel anbieten, die nicht mehr verbraucht werden konnten, beispielsweise bevor es in den Urlaub geht. Gleichermaßen haben Bäckereien, Cafés oder Restaurants die Möglichkeit, kurz vor Feierabend übrig gebliebene Waren für einen günstigeren Preis abzugeben. Auch hier helfen Apps.

Gut zu wissen: Zu Hause kannst du mit kleinen Schritten schon viel für einen nachhaltigen Konsum tun. Achte beispielsweise darauf, welche Lebensmittel demnächst ablaufen und verarbeite sie, bevor sie schlecht werden. Es gibt auch Apps, die gegen Lebensmittelverschwendung helfen sollen.

Local Exotics

Für viele Verbaucher:innen bedeuetet nachhaltiger Konsum auch, Lebensmittel wie Obst und Gemüse saisonal und regional zu shoppen und mitunter sogar auf Exoten wie beispielsweise Avocados zu verzichten. Stattdessen sieht Rützler sogenannte Local Exotics als einen weiteren Food Trend 2022 auf dem Vormarsch. Sie vereinen den Wunsch nach Lokalität und kulinarischen Entdeckungen.

Dies funktioniert aber nicht ohne innovative Landwirt:innen und Forscher:innen, die sich mit Möglichkeiten des hiesigen Anbaus exotischer Nahrungsmittel auseinandersetzen. Im März diesen Jahres erteilte das Bundessortenamt zum Beispiel Chiasamen der Sorte „Juana“, die von der Uni Hohenheim entwickelt wurden, die Zulassung. Sie können nun hier in Deutschland angebaut werden. Bisher werden die als Superfood geltenden Samen überwiegend aus Südamerika importiert.

Real Omnivore

Real Omnivores, also „wahre Allesesser:innen“, bedenken beim Konsum nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die unseres Planeten. Sie verzichten nicht zwingend auf Fleisch und andere tierische Produkte, sondern stehen für eine ausgewogene, verantwortungsbewusste Ernährung. So zeigen sie sich offen gegenüber Technologien in der Lebensmittelproduktion. Vanille aus Plastik oder Chips aus Quallen? Wieso nicht, solange sich solche Entwicklungen positiv auf Klima, Umwelt und Gesellschaft auswirken.

Spannende Food News bei EAT CLUB

Neben den wichtigstens Infos zu den Food Trends 2022 versorgen wir dich regelmäßig mit anderen Neuigkeiten aus der Lebensmittelwelt. Vor kurzem hat zum Beispiel Lieferando analysiert, welche Gerichte am meisten bestellt werden. Ebenso spannend sind die Ergebnisse von Foodwatch über ungesunde Nahrungsmittel für Kinder. Diese und weitere Nachrichten findest du in unseren Food News.


Quellen: zukunftsinstitut.de, enorm-magazin.de